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Wie man Menschen glücklich macht

Es ist Dienstagmittag, ich habe schön beim Italiener gegessen und weil ich aus Erfahrung weiß, dass ein voller Bauch nicht gerne läuft, habe ich mein Fahrzeug ganz vorschriftswidrig im Parkverbot abgestellt, denn ich bin 44 Jahre und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und meines freundlichen Bankkontos und deswegen praktiziere ich damit meine Form von passivem Widerstand gegen die Staatsgewalt, in dem ich mich dahin stelle, wo es mir passt.

Werde ich nicht erwischt, dann hatte ich einen netten Parkplatz für lau und wenn ich erwischt werde, dann kostet mich das doppelt so viel, als wäre ich gleich ins Parkhaus. Doppelt oder nichts. Wie beim Roulette. Oder im Leben.

Als ich also das „Al Dente con Salmonelle da Berlusconi“, den Bauch und die Krawatte voll mit Spaghetti Bolognese verlasse, steht ein Büttel der Staatsgewalt, ein Scherge des Königs, ein Soldat des Ordnungsamtes der Stadt neben dem Geländewagen und schreibt seelenruhig sein Ticket. Ich gehe auf mein Auto zu und sage „ach verdammt“. Weil man das so sagt, wenn man beim Falschparken erwischt wird.

Ich kenne jetzt das Spiel so: der Vertreter der dunklen Seite der Wehrmacht sieht mich strafend an, drückt mir seinen Strafzettel in die Hand, ich steige ins Auto ein, lege seine Existenzberechnung in die Mittelkonsole und warte auf die Post, wo ich dann das Knöllchen überweise. Ich stand im Parkverbot, wurde erwischt und bezahle. Pech gehabt. Ich habe ja niemanden umgebracht.

Im Verlauf der nächsten fünf Minuten wird mir allerdings klar, dass ein Mord im Vergleich zum „Parken im Halteverbot“ ein fröhliches Kavaliersdelikt ist.

Denn die ordnungsamtgraue Eminenz sieht mich an und sagt streng: „Sie wissen schon, dass hier absolutes Halterverbot ist?“

Tja.

Was soll man da sagen? Natürlich weiß ich es. Ich will ja auch den Strafzettel gerne und dankbar als Fügung des Schicksals annehmen. Ich will aber kein Gespräch. Also sage ich brav: „ja, weiß ich.“ Damit wäre das Gespräch meinerseits eigentlich an dieser Stelle beendet.

Nicht so für den Handlanger der Stadtkasse. „Und warum parken Sie dann hier?“ will er wissen.

Aha. So einer ist das. Nicht nur, dass er wild Strafzettel an unschuldige Falschparker verteilt, er will auch Verkehrsunterricht geben und gesellschaftspolitisch wichtige Fragen stellen. Kann er haben.

Mir gehen hier mehrere Antworten durch den Kopf: spontan könnte ich ihm beispielsweise die Wahrheit sagen: „ich bin zu faul zum Laufen“. Eine Möglichkeit.

Oder die arrogante Variante: „das geht Sie einen Scheissdreck an.“ Aber dann zieht er vielleicht zur Strafe nicht seinen Notizblock, sondern ein Pfefferspray. Möchte ich nicht.

Ich entscheide mich für Tor drei und kaufe „Überheblichkeit für 10 Euro“ und sage: „Weil ich es kann.“

Aber nicht mit Herrn Löhlein von der Stadtverwaltung! „Nun werden Sie mal nicht frech!“ faucht er mich an. „Mit Ihrem Verhalten blockieren Sie hier rücksichtslos Alte, Behinderte und Kinder, ist Ihnen das eigentlich klar?“

Was wird das hier? Ein Sozialquiz? Ein Verhör?

Zum Einen fehlen in seiner Randgruppenaufzählung noch „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ und Arbeitslose, zum Anderen blockiere ich die besagten Volksmassen nur dann, wenn jene nicht in der Lage sind, in einer sechs Meter breiten, verkehrsberuhigten Zone einem stehenden Hindernis auszuweichen, wenn es also alte, arbeitslose Behinderte mit Kindern und Migrationshintergrund sind, die den Rollator mit ungefähr 120 Sachen durch dieses kopfsteingepflasterte Fußgängerghetto schieben.

Was erwartet jetzt eigentlich dieser Unterarm des Gesetzes? Soll ich mich ihm vor die Füße werfen und verzweifelt „es tut mir leid, es tut mir leid, bitte strafen Sie mich, bitte strafen Sie mich, ich war ein böses Mädchen“ wimmern? ´s Lebtag nicht!

„Die können doch außen herum gehen“ gebe ich zurück. Er überlegt einen Moment, weil das logisch klingt. Dann kommt ihm eine Idee: „Nicht, wenn da noch ein LKW kommt“.

Tja, das habe ich nicht bedacht. Dass ein LKW kommt. Mittags um 13.30. In einer verkehrsberuhigten Zone. Wenn Alte und Kranke da herumlaufen. Er denkt, er hat mich. Aber so nicht.

„Sehen Sie einen?“ frage ausnahmsweise mal ich. Und tatsächlich, ich kann es kaum glauben, er reckt den Kopf. „Nein“ sagt er. „Aber es KÖNNTE einer kommen!“ fügt er trotzig hinzu und ich beschließe, ihm eine Brücke zu bauen. „Wenn es brennt, dann würde einer kommen. Von der Feuerwehr“ helfe ich ihm.

„Wollen Sie mich verarschen?“ Er bekommt langsam Gesichtsfarbe. Ja, schon, ich wollte nur den Strafzettel und dann zurück ins Büro. Aber ich habe ja auch nicht angefangen, mir einen Vortrag zu halten.

„Niemals“ gebe ich zurück „wie käme ich denn dazu? Sie machen ja auch nur Ihren Job.“

„Genau“ gibt er zu „und ich habe es absolut nicht nötig, mich deswegen beschimpfen zu lassen!“ Er klingt zornig und, ja, auch ein wenig traurig.

Er tut mir plötzlich leid. Eigentlich würde ich jetzt gerne den Arm um ihn legen und ihm sagen, dass er seinen Job sogar ganz prima macht und mich ganz pflichtbewusst aufgeschrieben hat und das quasi in seiner Eigenschaft als Beschützer von Alten, Behinderten und Kindern vor rowdiehaften Falschparkern im ruhenden Verkehr. Aber erstens habe ich ihn nicht beschimpft, wenigstens NOCH nicht und zweitens – es geht nur um einen falschen Parkplatz und 10 Euro. Und ums Prinzip. Weil es immer ums Prinzip geht. Also gut, er soll seine Chance haben. Ich bin souverän.

„Wissen Sie was?“ sage ich und beschliesse, ihn anzulügen: „Ich bedanke mich, dass Sie mich auf mein falsches Verhalten hingewiesen haben und will es nie wieder tun, aber wie mir soeben auffällt, ist dies gar nicht mein Auto, weil ich heute in der Tiefgarage stehe.

Trotzdem Danke für die Belehrung. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen und spannenden Tag.“

Er schüttelt den Kopf, klemmt seinen Zettel hinter den Scheibenwischer, ich drehe mich rum, trinke noch einen Kaffee bei Irma, warte bis er weg ist, pflücke seinen Dienstnachweis vom Wischer und lege ihn auf die Mittelkonsole und fahre ins Büro.

Es ist so einfach, Menschen glücklich zu machen.
23.10.10 17:05
 
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