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19 Das Phänomen der zeitlichen Ausdehnung

Mein Auto ist aus der Reparatur von wegen der Deutschlandfahne zurück, hurra. Mein Jüngster war davon so begeistert, dass er in einem unbeobachteten Moment beschlossen hat, den SUV zum Fanmobil aufzupimpen. Ihm und den Marken „hanuta“ und „duplo“ sei Dank klebte Schweinsteiger am vorderen Kotflügel, Gomez stürmte auf dem Küllergrill gleich neben Klose auf der Kühlerhaube, Lahm fand sich auf der Beifahrerseite hinten rechts, Neuer hielt den Kasten der Heckklappe, flankiert von Mertesacker und Friedrich, sauber und nur Podolski kam unter die Räder, der musste sich mit der Lauffläche des Reifens begnügen. Ist auch der Einzige, den ich nach 2 Stunden Schrubben und Polieren da gelassen habe, wo er ist. Trochowski befindet sich auch noch irgendwo, er war auf jeden Fall nicht mehr auf der Ersatzbank in der Hosentasche des Kleinen und ich hege den Verdacht, dass er sich noch einmal unangenehm bemerkbar machen wird.

Apropos unangenehm: Diego Adolfo Maradona hat gedröhnt, „für Deutschland sei die WM beendet“. Er hat es allerdings anders ausgedrückt. Der O-Ton sei wohl gewesen, „err wärrde Doitschlan värrnächten, wä noch nä eine Foßball-Nation verrrnächtet worden äst.“ Ich befürchte, dass er Recht hat, denn die Argentinier haben keinen Podolski in ihren Reihen, die ja im Übrigen fest geschlossen sind und im gleichen Tritt marschieren die Gauchos derzeit ja auch durchs Turnier – aber vielleicht – nur vielleicht – behält ja das Krakenorakel recht, das Deutschland als Sieger sieht. Sollte es sich irren, dann gibt’s bei der Nationalmannschaft eben Tintenfischringe als Abschlussessen.

Heute die letzten beiden Achtelfinalspiele.

Ich fange so an: ich glaube fest, dass es ein bisher unbekanntes Zeitphänomen gibt. Je weiter ein Spiel vom Zentrum der Qualität entfernt ist, desto mehr dehnt sich die Zeit aus und man altert langsamer, weil Minuten zu Stunden werden. Während ein Qualitätsspiel im Zeitgefüge ungefähr 5 Minuten dauert, verlängert sich mit zunehmender Entfernung das Kontinuum.

So gesehen haben die Spiele heute mehrere Jahrzehnte gedauert.

Wer in der Partie „Paraguay gegen Japan“ ein langweiliges Rumgekicke zweier langweiligen Mannschaften mit langweiligen Namen erwartet hat, der wurde nicht enttäuscht. 120 Minuten Standfußball, 120 Minuten Lebenszeit, 120 Minuten Fußball aus dem siebenten Kreis der Hölle. Ein klares Indiz, dass die FIFA künftig darauf verzichten sollte, kleine Mannschaften weiterkommen zu lassen. Schlimmer hätte auch ein Spiel zwischen Frankreich und Italien nicht aussehen können – und sogar die hätten sich wenigstens aus Langeweile gelegentlich ein paar spannende Faustkämpfe geliefert.

Paraguay und Japan sind die einzigen Mannschaften der Welt, die es geschafft haben, sogar ein Elfmeterschießen ungefähr so spannend wie das Warten auf die Grünphase einer Autobahn-Blockabfertigung zu gestalten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Trainer aus Nippon nicht auf die geniale Idee gekommen wäre, einen Verteidiger, der noch nie in seinem Fußballleben auch nur ein Scheunentor getroffen hat, als Elfmeterschützen zu benennen. Die beiden Mannschaften würden jetzt noch auf dem Platz stehen und fleißig Elfmeter schießen.

So aber obliegt dem Sohne Nippons mit dem poetischen Namen „Koma no“ die zweifelhafte Ehre, die „blue Samurai“ (Eigeneinschätzung) aus dem Turnier zu kegeln, weil er die Torlatte kaputt ballert. Während also jener sich noch auf dem Platz voller Scham in sein Schwert stürzt, hüpfen die Paraguayos glücklich wie die Springteufelchen durchs Stadion. Sie haben es geschafft und dürfen auch weiterhin die Welt mit Folterfußball vom Feinsten gegen Spanien oder Portugal langweilen. Ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte.

Tja.

Spanien oder Portugal. Das Knallerspiel des Abends. Der Europameister gegen den letzten WM-Vierten. Ein Spiel, in dem sich Spieler wie Villa und Ronaldo, wie Torres und Simao, wie Dick und Doof gegenüberstehen.

Und das ganzganz lange 63 Minuten. In dieser Zeit hätte man sich auch die Wiederholung von Portugal gegen Nordkorea ansehen können, denn da waren bis zu diesem Zeitpunkt wenigstens 4 Tore gefallen. Gut, es ist nur eine Weltmeisterschaft, da geht es ja um nichts. Da braucht man sich auch nicht anzustrengen. Man rennt sich gegenseitig in die Abwehr, beschimpft sich wahlweise auf Spanisch und Portugiesisch, tut sich ansonsten aber in diesem Fußball gewordenen Waffenstillstand nicht weh.

Als die Spanier schließlich und endlich aus einer unklaren Abseitsposition versehentlich in der 63sten ihr Tor machen, fällt das den Portugiesen, die wir künftig „Spanien II“ nennen wollen, so wenig auf, dass sie erst einmal einen Gang zurückschalten, sofern das überhaupt noch möglich war. Der portugiesische Fußballgott Ronaldo hat seine beste Szene, als er nach dem Abpfiff sein Trikot auszieht und alle Homosexuellen zwischen Kapstadt und Kairo in Raserei versetzt, im Spiel selbst war er so auffällig wie ein Schatten in der Nacht.

Somit hat die bessere zweier schlechter Mannschaften gewonnen und darf im Viertelfinale gegen den anderen Langweiler aus der ersten Partie heute zum Rasenschach antreten.

Ist ja nur eine WM. Geht ja um nichts.

Wir dürfen auf jeden Fall auf den Freitag gespannt sein, wenn mutmaßlich die „Selecao“ die „Oranjes“ an die Verliererliste anpinnt und Ghana gegen Uruguay ins Elfmeterschießen geht.

Ich habe mir meine Betablocker für diese beiden nervenaufreibenden Duelle vierer Fußballgiganten schon in den schönen Farben Schwarz-rot-gold schon besorgt. Weckt mich, wenn´s vorbei ist.
30.6.10 12:13
 
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