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Heute ist F-Day. Finaltag. Ich habe alle Familienangehörigen inclusive der Katze und des Zwerghasen meiner Tochter noch ein Mal, dieses eine Mal, schwarogo angemalt. Heute ist Endspiel. Das Spiel der Spiele. Der letzte Schnaufer, bevor dieses Land wieder in Trübsinn über Benzinpreise, den Zustand der SPD und die Vorfreude auf die Bundesliga versinkt. Das Haus ist tiptop aufgeräumt, beflaggt wie die „Missouri“ bei der japanischen Kapitulation, wir haben alle unsere Freunde eingeladen, denn auf das eine Gedeck mehr kommt es jetzt auch nicht mehr an. Jeder von uns hat ein Fähnchen in der Hand, der Katze, dem Hasen und meinem Jüngsten habe ich die Dinger mit Tapeband und einem Tacker an den Extremitäten befestigt, damit die Winkelemente auch wirklich benutzt werden. Von mir aus kann es losgehen mit dem 386sten Titel für Deutschland!

Heute war eh ein ganz besonderer Tag. Die Luft roch klar nach frischem Bier und die Fußballnation fragte sich besorgt, ob ER spielt, weil ER doch Aua in der Wade hat. ER hat heute die Chance, ein GANZ Großer zu werden, zu nennen in einer Reihe mit Uwe Seeler, KaHa Rummenigge und äh, Pierre Littbarski beispielsweise. ER, der öfter Vizemeister als Schalke und Vizekusen zusammen geworden ist. ER, unter dessen Fußballerkarriere derzeit noch das Urteil „nicht schlecht“ steht. ER, der Kapitän in stürmischer See, der Lockenkopf aus dem Osten, der „Chef“, wie viele ihn nicht nennen mögen, ER wird sie heute nach vorne reißen, selbst wenn der vierte Deppenschiri ihn dafür von der Bank auf die Tribüne schickt.

Ansonsten kommen widersprüchliche Nachrichten aus dem Hauptquartier. Auf kurz soll Hamil Altintop noch eingebürgert werden, einerseits aus Mitleid und Integrationsgründen, andererseits um Mario Gomez zu ärgern, von dem man befürchtet, dass, sollte er spielen, er bei einem Sieg seines Vater- über sein Mutterland einen Nervenzusammenbruch erleidet. Man kennt das ja aus diversen Polenspielen. Löw will, dass wenigstens diesmal „mit högschter Konzendradzion“ gespielt wird, worauf er von IHM den dezenten Hinweis erhält, dass man hier bei einem Fußballturnier und nicht in einem Konzendradzionslager sei.

Die Spanier hingegen brauchen keine Konzentration, weil sie ihre Spiele bisher sauber und fehlerfrei durchgespielt haben, ihnen genügt es, zu wissen, dass sie jeden Gegner schlagen können und bisher auch problemlos aus dem Turnier gekickt haben.

Das gibt zu denken und als die Mannschaften um 20.30 in Wien den Platz betreten, hat der beteiligte Zuschauer bereits das komische Gefühl im Magen, dass sich die bisher ungeschlagenen Spanier nicht ausgerechnet heute von Deutschland das Nutella vom Frühstücksbrötchen nehmen lassen werden. Zumal Metzelder schon wieder mitspielen darf, warum auch immer und was auch immer Joachim, den seine 70 Millionen Freunde Jogi nennen, sich dabei gedacht hat.

Und dann segelt die Armada pünktlich um 2045 gegen die Panzer aus, um sich nach 44 Jahren und –zig erbärmlich vermasselten Turnieren endlich mal wieder einen Titel zu holen.

Zuerst sieht es für unsere Jungs ganz gut aus, Die Abwehr hat den spanischen Sturm einigermaßen im Griff und gelegentlich lassen sich die Nutellaschlucker mal vor dem spanischen Keeper sehen, schaffen es aber nicht, zum Torschuss zu kommen. Klose, dem irgendein Idiot gesagt hat, er solle doch gelegentlich mal seinen Kopf benutzen, hat den Kontakt zu seinen Beinen verloren und verstolpert ein-, zwei Chancen, und weil sich vorne nichts tut, tut sich eben hinten was. Metzelder, ein ständiger Unruheherd in der deutschen Abwehr, prüft aus Spaß mal Lehmann, was der nicht witzig findet und deshalb Metzelder, genannt „der Irre“, für den Rest des Spiels aus seinem Strafraum weist.

Ab der 20sten Minute – Metzelder hat sich trotzig aus dem Spiel verabschiedet und seinen Kumpel Mertesacker gleich mitgenommen – mehren sich die Chancen der Spanier, weil die Deutschen irgendwie nicht so Lust auf Fußballspielen haben und es außerdem nicht zu regnen anfängt. Einmal geht ein spanischer Ball an den deutschen Pfosten Lehmann, und einmal prallt er vom Tor ab. Die zwar konschendriert aber auch konsterniert spielenden Deutschen nehmen die Spanier trotzdem nicht so richtig ernst und deswegen darf Torres „der Stier“ Rache nehmen für 44 Jahre Deppen am Ballermann und macht das 1:0 für Spanien, während Me und Me nasebohrend danebenstehen und zuschauen. Torres hat sogar die Frechheit, bei seinem Tor Lehmann noch fair zu überspringen.

Wer nun geglaubt hat, durch unsere Jungs würde nun ein Ruck gehen, der sah sich im Recht. ER macht den Rücken gerade, brüllt seine Mitkicker an und schon fallen alle in kollektiven Tiefschlaf. Vorne geht nichts zusammen, hinten geht nichts zusammen, in der Mitte geht nichts zusammen, es geht überall nur gegeneinander, übereinander und untereinander und durcheinander. Hier ein verstolperter Pass, da ein verhoppelter Einwurf, dort ein halbherziger Zweikampf und drüben ein Foul aus Hilflosigkeit. Die Spanier sehen es lächelnd, während der Bundesjogi am Spielfeldrand herumhüpft, als fände heute das Finale der Duracell-Häschen-look-alike-Meisterschaften statt.
Gelegentlich geht mal einer der Germanen vom Platz, weil es gegen die Spanier doch sehr anstrengend scheint, ER schlägt sich die Augenbraue blutig, bekommt dafür sogar eine gelbe Karte, aber es nutzt alles nichts: bis zur Pause bleibt es bei dem Rückstand.

Nun ist ja „Rückstand“ – zumal wenn es nur ein lächerliches Törchen ist und noch 45 Minuten Zeit bleiben, ja so eine Charaktersache. Und vielleicht hätte Jogi ja doch mehr Importtürken in die Mannschaft nehmen sollen. Denn kaum zurück aus der Kabine spielen seine Mannen endlich so, wie sie fast die ganze Zeit gespielt haben: Krampf auf hohem fußballerischen Niveau. Der Rückstand scheint sich noch nicht im kompletten Ensemble herumgesprochen zu haben.

Lahm wird tatsächlich aufgrund einer heutigen „Nomen est Omen“-Attitüde vom Platz genommen, Herr Jansen soll ihn würdig vertreten. Und das tut er auch. Nachwievor herrscht kämpferischer Eintönigkeit bei Deutschland. ´s geht ja auch um nichts und außerdem, Hauptsache, wir haben die Türken vor Wien besiegt. Und fließt es nicht, so plätschert´s doch. Das deutsche Spiel erinnert an das Wasserlassen eines Prostata-Kranken. Viel Krampf, wenig Chancen.

Geht der Ball mal nicht ins Aus, dann führt er zu einer Ecke, die von Schweini mit schöner Regelmäßigkeit versiebt wird, und dann hat Jogi die Schnauze voll und wechselt einen „Stümer“ ein, nämlich den Bart-Kevin, der eigentlich so viel in der Nationalmannschaft wie Hoffenheim in der Bundesliga zu suchen hat. Natürlich tut sich dadurch nun noch weniger nach vorne als sowieso vorher schon.

Etwa 10 Minuten, so scheint es, wolle sich unsere Nationalmannschaft aufbäumen, der Niederlage entgegenstellen, aber wie soll das gegen die kleinen braunen wuseligen Spanier gehen, die ständig zwischen den Beinen unserer Buben herumflitzen und sie so furchtbar irritieren? Die Haare von Frings wehen durcheinander, ansonsten ist auf jeder Beerdigung mehr los.
Jogi wechselt in seiner Verzweiflung sogar Mario Gomez mal wieder ein, aber der Mann wird in den 10 Minuten bis zum Schlusspfiff keinen einzigen verdammten Ballkontakt haben und nur einsam vor den Spaniern seine Kreise ziehen – ausgestoßen und ungeliebt.

Als nach 90 sehr kurzen aber nicht kurzweiligen Minuten endlich der Schlusspfiff der deutschen Kapitulation ein Ende macht, wird es am Ballermann merkwürdig und ungewohnt still, in Villa Riva und Villa Bacho fliegt der Abwasch in die Schlucht und es wird gefeiert, was das Zeug hält, Ballack kann sich die 20ste Silbermedaille ins Gästeklo nageln und nur Gomez ist der einzige im deutschen Team, der so ein bißchen feiern könnte, wenn er nicht Prügel von seinen Teamexkameraden befürchten müsste.

Als Fazit bleibt: Spanien hat verdient gewonnen, auch wenn Deutschland ja tatsächlich seine berühmten „deutschen Tugenden“ ausgepackt hat. Dies war heute weniger der Kampfgeist, als vielmehr die Tugend der Sparsamkeit und zwar im Bezug auf Spielwitz und Genauigkeit.

Immerhin haben wir uns den inoffiziellen Titel „Vize-Europameister“ eingehandelt, was so viel wie „Verlierer der Herzen“ bedeutet.

Und wir haben die Türkei geschlagen, die die Kroaten geschlagen haben, die die Engländer an der Teilnahme gehindert haben.

Das ist doch auch was.

Nämlich ziemlich doof.

Ich schmeiße meinen „EM-Planer from the Premier-League“ in die Ecke und freue mich auf 2010, wenn es wieder heißt: „Ballack hat es an der Wade. Ausgerechnet vor dem England-Spiel!“

Ich muss jetzt nachdenken. Für das Abschlußkommuniquee morgen…
30.6.08 13:43
 
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