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Heute Morgen haben wir uns vorsichtig wieder aus dem Keller getraut. Schließlich haben wir ja gewonnen. Der Minengürtel war, bis auf die Katze des Nachbarn, diesem Sauvieh, die es erwischt hat, ziemlich unversehrt. Ich bin dann testweise mal auf eine draufgetreten, aber es hat nur „puff“ gemacht. Billige chinesische Massenware. Die Halbmondflagge zwei Häuser weiter unten wehte auf Dreiviertelmast, so als Zeichen des „gehofft, gekämpft und trotzdem verloren“. Ich habe den S-Draht wieder weggeräumt, weil es in unserem Kaff keine Spanier hat, anschließend sind wir runter zur Dönerbude, haben unsere herzliche Anteilnahme ausgesprochen und uns entschuldigt, was auch dankbar angenommen wurde. Wir sind wer, ihr seid wer. Wir haben alle zusammen gewonnen, nur wir ein bisschen mehr. Nur mein Ältester, der Rotzer, konnte es sich nicht verkneifen, ein „Finale“ vor sich hin zu flüstern. Ich hab ihm natürlich gleich eine geklebt, dem arroganten Sack. Ich weiß gar nicht, woher er das hat…

Das Verhältnis von Deutschen und Türken spiegelt derzeit eine gewisse Ambivalenz wieder. Die Einen sind stolz wie Erdogan auf ihre Mannschaft, die nach Hause fährt, die Anderen schämen sich wie Ströbele für ihre Jungs, die ins Finale einziehen. Freuen ist aber auch etwas peinlich und kann leicht als Schadenfreude missverstanden werden.

Auf den Fanmeilen sind größere Ausschreitungen verzückter türkischer und verärgerter deutscher Fans Gott- und Allahseidank ausgeblieben und nur ein wackeres Fähnlein von Sachsen hat sich erfolgreich bemüht, den Ruf der Deutschen als Rassisten zu verteidigen, in dem sie voller Freude über den langsamsten Blitzsieg in der deutschen Geschichte ein paar Dönerbuden zusammengelegt haben. Hatten halt keine Türken zum Feiern da.

Landauf, landab müssen es sich verblüffte türkische Mitbürger mit Migrationshintergrund gefallen lassen, von wildfremden Eingeborenen gedrückt und bedauert zu werden, außerdem werden sie andauernd mit Kondolationen für ihr Ausscheiden behelligt. Einmütig ist man der Meinung, dass die Türkei die (nach England) beste Mannschaft der Welt ist und nur Pech gehabt hat, diesmal eben nicht das letzte Tor zu schießen. Tja, bis auf Sachsen zeigen wir eben auch Größe im Gewinn („Sieg“ klingt so faschistisch). Da können sich die Türken ruhig mal… aber ich schweife schon wieder ab.

Im Fußballführerhauptquartier und beim Oberkommando der Nationalmannschaft zeigt man sich nach dem politisch korrekten Zappelsieg „erleichtert“ über den „groschen Druck“ der „von der Mannschaft abgefallen ist“. Klingt das eigentlich nur für mich nach „Scheiß aufs Finale, wir haben gegen die TeÜeRKaEeN ohne Verluste gewonnen“? Wie auch immer, nachdem zur Erbauung und Ermunterung von Jogis Jungs feiernde deutsche Fans gezeigt wurden (wobei man geflissentlich die „aaner geht noch, aaner geht noch ´nei“ und „Wi aar se Tschämpions“-Gröhler weggelassen, dafür aber drei Mal Schweinsteigers Uschi gezeigt hat), will Löw vor dem Finale entweder die grausame Praxis spanischer Stierkämpfe vorführen, alternativ auch Bilder vom russischen Einmarsch in Ostpreußen. Man muss die Jungs nur mental zu packen kriegen. Kampfgeist statt Krampfgeist. Nach dem Türkei-Spiel gar nicht so einfach.

Russen und Spanier spielen heute auch aus, wer auf jeden Fall Vize-Europameister wird.

Die Russen gelten nach ihrer verblüffenden Demontage der Niederländer zwar nicht als Favorit, aber wenigstens als „auf gleicher Augenhöhe“ mit den Spaniern, die bisher so ziemlich jede Mannschaft auseinandergenommen haben.

Schon kurz nach dem Anpfiff zeigt sich, dass die Russen im Überschwang ihre Pause genutzt und nach ihrem Sieg über die Niederland exzessiv russischem Zielwasser zugesprochen haben. Die Mannschaft schlingert über den Platz wie ein Schiff im Sturm, es schifft wie Sau und die ebenfalls restbedröhnten russischen Fans folgen der Tradition ihres nach Gas zweiten Hauptexportartikels und entledigen sich auf der Tribüne spontan ihrer Klamotten.

Die Spanier, aus ihren Feriengebieten an den Anblick nackter Besoffener gewöhnt, gehen es entspannt an, weil die russische Dampfwalze Schlangenlinien fährt und die größte Gefahr im Moment darin besteht, auf dem Rasen zu ertrinken. Zwingende Aktionen gibt es keine, der einzige Höhepunkt im ersten Durchgang besteht darin, dass die Spanier Fabregas gegen Villa auswechseln, weil der zu viel Wasser geschluckt hat.

Nach der Halbzeit beschließt man bei den Iberern, dass die Russen nun genug Zeit zur Ausnüchterung hatten und macht mal kurz das 1:0. Das nutzt den Russen aber nicht viel, weil sie in der Pause in der Kabine weitegefeiert haben und sie bleiben etwas lethargisch. Es ist kalt, es ist nass, es ist ekelig. Da jagt man normalerweise in Russland maximal die Frau vor die Tür und dementsprechend traurig ist es um die russische Moral bestellt.

Folgerichtig treten die Russen aus Frustration über die lässig aufspielenden Iberer statt des Balles mal zwei ihrer Gegenspieler um und bekommen Gelb, die Spanier bedanken sich dafür dann auf ihre Art und setzen den Riesenreichspielern das 2:0 in den Kasten.

Der holländische Trainer der Russen ist enttäuschter als meine Frau nach dem ehelichen Geschlechtsverkehr, die russischen Fans schnallen überhaupt nicht, was da auf dem Rasen vor sich geht und schunkeln nackend vor sich hin, der spanische Torwart liest ein gutes Buch und führt ein paar Telefonate, die spanische Abwehr macht sich die Fingernägel sauber und die spanischen Stürmer, wenig erpicht, das Spiel noch aus Versehen von den völlig hilflosen Ex-Sowjets drehen zu lassen, machen in der 82sten Minute noch sicherheitshalber das 3:0, weil es in Spanien keine nennenswerte Anzahl russischer Einwanderer oder Touristen gibt. Man hat nichts außer diesem Spiel zu verlieren und dieses Spiel ist ein leichtes Spiel.

Der Schiedsrichter pfeift ab, die Spanier sind Vize-Europameister und die Russen, dankbar, aus dem Scheißwetter zu kommen, gehen angeschlagen und geschlagen in die Kabine und aus dem Turnier. Better luck next time und nicht vergessen, daheim die Spurbreite der Tore auf internationale Maßstäbe anzupassen.

Ich trage den üblichen spanischen drei-Tore-Vorsprung in meinen „EM-Planer des Planeten Jupiter“ ein und sehe dem Finale am Sonntag gelassen entgegen, weil wir ja auch eh schon Vizemeister sind.

In England laufen die Vorbereitungen zur WM-Qualifikation auf Hochtouren. Angeblich soll die komplette türkische Mannschaft eingebürgert werden. Düvüd Bückhüm trägt sich mittlerweile mit Wechselgedanken zu Fenerbahce.
27.6.08 14:20
 
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