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ErzieherInnen

Damals, als Brause noch 10 Pfennig kostete und DalliDalli der absolute Showabräumer war, damals also nannte man Erzieherinnen Frauen, die in Lack und Leder fiese Manager mit fiesen Koteletten gegen Geld auspeitschten.

Damals sagte man zu Fachpersonal im Kindergarten einfach „die Schwester“, wenn die Erzieherin eine Nonne war oder „Tante“, wenn sie keine Nonne war, und erst ein unbarmherzig sachliches Umdenken in der Politik machte aus der beliebten „Kindergartentante“ die „Erzieherin“, was für Kinder ein doch eher unpersönliches Verhältnis in der Anrede schafft. Aber was will man auch von einer Generation erwarten, in denen es keine „Mama“ und günstigenfalls auch keinen „Papa“, sondern dafür Frauke und Udo gibt, die besten Freunde, die zufällig die Kids gezeugt haben und damit qua Gesetz mit dem Erziehungsauftrag über Kevin und Lena beauftragt sind.

Die Erzieherin des Jahres 2008 wünscht sich gelegentlich die Ausstattung der Erzieherin von 1977, speziell hier die Peitsche, zurück.

Wohlgemerkt – nicht für die Kinder. Aber für die Eltern! Da hast Du Sozialpädagogik studiert, Dein Fachabi gemacht und Jugendpsychologie gebüffelt, um Dir dann von Frau Ilse-Hermann-Hollberg, ihres Zeichens Studienrätin für Kunst am Pfarrer-Kolping-Gymnasium, anzuhören, dass Du den kleinen Lars-Sören gefälligst in Spanisch anzureden hast, weil er wenigstens noch eine dritte Fremdsprache mit seinen vier Jahren lernen soll. Den merke, Erzieherin: mit dem Lernen kann man nicht früh genug anfangen.

Während Du der aufgebrachten Dame noch erklärst, dass Du selbst gar kein Spanisch kannst, frisst Lars-Sören hinter Dir die Wasserfarben aus, alldieweil sich Mahmut und Ulrike ein kurzes, aber umso heftigeres Gefecht mit den Bilderbüchern liefern, was den eben eintreffenden Vater von Mahmut erbost, weil sein Spross von einem Mädchen verkloppt wird.

Und während der hinter Dir noch auf türkisch schimpfende Papa seinen heulenden Erstgeborenen zu trösten versucht und Lars-Sören das türkis-blau auskotzt, brüllt vom Gang her eine weitere Mutter nach Kevin, dem jüngsten und sensibelsten Deiner Kinder, in einem Kasernenhofton, der jedem Ausbilder bei der Bundeswehr ob seiner Grobheit peinlich wäre.

Und Du stehst mutterseelenallein in diesem brüllenden Inferno und sollst Nasen putzen und Tränen trocknen. Gottseidank verschwinden die Eltern, und als Du gerade einen Stuhlkreis mit den Kids bilden willst, kommt Deine Kollegin vorbei, um Dir einen Vortrag über die derzeit laufende Spendenaktion für das neue Kindergartendach zu halten und dass Du gefälligst auch die Eltern sowohl auf die Aktion, als auch auf die geliebte Elternbeiratswahl aufmerksam machen sollst.

Und dann ist es geschafft: alle sitzen endlich im Kreis, Du nimmst Deine Gitarre, stimmst die erste Saite, als Maximilian verkündet, er müsse jetzt aufs Klo und er könne noch nicht alleine. Er kann aber, ganz Mann, auch nicht, wenn Du daneben stehst und wartest. Als Du nach langen, prostatagequälten fünf Minuten in die Sonnenschein-Gruppe zurückkommst, hat soeben die Wahl zum Gruppenstärksten stattgefunden, die die etwas überernährte kleine Silke mit Hilfe von einigen kräftigen Nasenstübern für sich entschieden hat.

Du ordnest sie der Reihe nach wieder im Kreis an und willst das verhasste Lied vom „dicken Tanzbären“ anstimmen, als Jason erklärt, dass seine Eltern gestern gefickt haben. Ehe Du reagieren kannst, fragt Laura neugierig, was das denn sein soll und Lukas macht den kleinen dicken Erklärtanzbären mit einem trockenen „na, die haben gebumst, was denn sonst?“

Du willst gerade zu einer kindgerechten Erklärung über menschliche Fortpflanzung ansetzen, als Dir eine Saite der Gitarre ins Gesicht peitscht, die Du in der Aufregung überdehnt hast. Unter dem hämischen Gelächter der kleinen Menschen versuchst Du die Blutung zu stillen, musst jedoch ausgerechnet Hassan davon abhalten, von Bernhards Leberwurstbrötchen abzubeißen, weil es Hassans Familie bestimmt nicht gerne hören würde, wenn er vom Geschmack von Schweinsleberwurst schwärmen würde, die er im Kindergarten gegessen hat.

Also wieder die Bande an die Bänke gesetzt. Streich den Gesang, das läuft heute nicht mehr. Ein Gang in den Garten wäre angesagt, aber als nach glücklichen zehn Minuten alle in ihren Anoraks gefesselt sind (sogar Maximilian, der heute eine schwache Blase hat und schon wieder war), geht ein Wolkenbruch hernieder, der die Sintflut wie einen "erhöhte Luftfeuchtigkeit" aussehen lässt.

Während Du also alle Kids wieder aus ihren Klamotten dröselst, sinnst Du darüber nach, dass ein Reißverschlussverbot im Kindergarten ungefähr 50% aller Probleme lösen würde, weil sich die Hälfte der Zwerge derart in ihre Kleidung verwickelt hat, dass sie eigentlich nur noch mit einem Schneidbrenner zurück in die Freiheit findet.

Du willst es demokratisch machen und fragst die frustrierte Runde, welche Geschichte sie vorgelesen haben möchte und bekommst von 15 Kindern 20 Vorschläge unterbreitet, bei denen sich wenigstens drei auf einen Horrorfilm, eine Actiondarbietung und einen Porno beziehen.

Spontan greifst Du zu „kleine Raupe Nimmersatt“, stellst jedoch nach 5 Minuten fest, dass Du augenscheinlich die einzige bist, die Dir zuhört, da ein paar Kids eingeschlafen sind, ein paar andere sich in die Puppenecke verkrümelt haben und da „Obduktions-Klinik“ spielen, indem sie die Puppen auspacken und mit Scheren sezieren, wieder ein paar Andere sich aus Legosteinen Pistolen gebastelt haben, Maximilian auf dem Klo verschwunden ist und nur der 6-jährige Dennis sitzt still in der Ecke, weil er gerade seine eigene Sexualität entdeckt und masturbiert.

Um 12 Uhr oder später werden die Eltern dieser Höllenblagen erscheinen, um ihre kleinen Dämonen abzuholen und Dir wertvolle Vorträge über richtige Kindererziehung halten. Du weißt, zu Hause werden die Kids neben einigen Buntstiften und Erkrankungen auch deftige Ausdrücke „aus dem Kindergarten mit nach Hause gebracht“ haben und niemand wird fragen, welches gewissenlose Arschloch diese Ausdrücke überhaupt in den Kindergarten hineingebracht hat. Und morgen wirst Du wissen, dass Du die Schuld dafür trägst. So oder so.

Du wirst am Monatsende Deine paar Kröten kriegen und Dich einmal mehr fragen, warum Du nicht Bäckereifachverkäuferin oder Anwaltsgehilfin oder Terroristin gelernt hast.

Aber manchmal – nur manchmal – wirst Du darauf auch eine Antwort erhalten: nämlich dann, wenn Dir Kevin oder Lena oder Hassan oder Hanna ein mit krakeliger Hand gemaltes oder gebasteltes Herz mit der Aufschrift „ich hab Dich lieb“ ganz mit aufrichtigem kindlichen Stolz überreichen. Doch, dafür lohnt es sich.
24.4.08 12:58
 
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