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Aida in Weimar

Neulich ruft mich Klaus an, er hätte da was und zwar hätte er zwei Karten für Aida gewonnen, aber weil er nicht könne, wegen des Fussballturniers am Wochenende, wollte er fragen, ob ich die Karten haben wollte, weil die sonst verfallen und blablabla. Natürlich will ich die Karten, weil sie nix kosten und ich schon immer eine Schiffsreise mit meiner Holden machen wollte.

Hehe und „nein“, es ginge nicht um das Schiff, sondern um eine Opernaufführung und die wäre von einem berühmten polnischen Regisseur mit einem berühmten polnischen Ensemble und das wäre doch toll und er würde mir die Karten für, sagen wir, schlanke 20 Euronen überlassen. Also insgesamt!

Und weil es Klaus ist und weil ich weiß, dass er eh stets chronisch klamm ist, kaufe ich ihm die Karten ab, Kultur schadet ja nichts und wann kriegt man schonmal eine Oper zu sehen. Fast für lau.

Nun muss ich allerdings gestehen, dass ich meine Kenntnisse über Opern normalerweise aus den kurzen Zappsekunden beziehe, wenn ich zwischen Nüsschen, Cola und Werbung von einem Action-Film auf den anderen zappe.

Von Aida weiß ich nur, dass da ziemlich viel gesungen wird, meist auf italienisch und dass die Story irgendwie im sehr alten Ägypten spielt.
Es geht um einen siegreichen Feldherrn, der gleich von zwei Weibern angeschmachtet wird und zum Schluss muss er deswegen sterben, weil er sich, wie das so bei siegreichen Feldherrn üblich ist, für die falsche Tussi entscheidet . Ist also wie in einem Rosamunde-Pilcher-Film, nur ohne Kreidefelsen, dafür mit Pyramiden und Sand.

Ich sperre also die Kinder bei Wasser und Brot in den Keller, wasche mir den Hals, zwänge mich in meinen etwas betagteren Kommunionanzug und verpflichte meine Gattin zum Tragen des „kleinen Schwarzen“.

Was erwarte ich von „Aida“? Nun, ich hatte so die naive Vorstellung von einem prächtigen Galaabend, opulenten Kostümen, geschärften Schwertern und einem Bühnenbild, das das originale Altägypten wie eine billige Kopie aussehen lässt. Ziemlich nahe an dem Film „Kleopatra“ mit der jungen Liz Taylor und Richard Burton aus den 60ern. Irgendwie so.

Gut, damals führte ein Amerikaner Regie und kein Pole. Hier lag wohl mein Denkfehler.

Als sich nach den obligatorischen Spannungsminuten, ich tippe drauf, dass die Schauspieler und Sänger während dieser Minuten nochmal kurz aufs Klo gehen, der Vorhang öffnet, macht sich doch etwas Ernüchterung breit. Den armen Polen wurde augenscheinlich die komplette Bühnendeko geklaut, denn auf den leeren weißen Brettern, die die Welt bedeuten, steht außer dem komplett eingeweißten Hintergrund einsam eine selbstverständlich auch weiß gestrichene Bierzeltgarniturbank und das war es dann. Fast. Denn im Himmel dieser Waschmittelreklamekulisse schwebt noch so eine Art Pappwolke mit einem Türchen. Ägypten am Nordpolen.

Halb und Halb erwarte ich jetzt eigentlich, dass ein Weihnachtsmann aus der Deko stolpert und ich werde tatsächlich nicht enttäuscht: Radames, der angehimmelte Kriegsheld, kugelt auf die Bühne, weil er ziemlich kurze Beine hat, ziemlich klein, dafür aber ziemlich dick ist. Nun ja, Churchill war auch klein und dick und trotzdem ein Kriegsheld, warum soll das also im alten weißen Ägypten anders gewesen sein. Trotzdem irritiert mich das Tarnfleckmuster des kleinen Zwei-Mann-Zeltes, in das sich Radames the hero eingewickelt hat.

Und während der Kugelzwerg zu singen anhebt, schweben die beiden holden Verehrerinnen ein. Eine trägt ein gar prächtig Gewand, das ich neulich schon auf einer Zauberflötenwerbung im Parkhaus an Papagena gesehen habe und das da schon scheiße aussah, die Andere ist in eine Art Duschvorhang gehüllt, vor dem sich sogar Norman Bates in „Psycho“ geekelt hätte. Tja, wenn ich der Kriegsheld wäre und wirklich nur die beiden Granaten da, die auch noch ein- bis zwei Kopf größer sind als ich, zur Auswahl hätte – ich würde sofort wieder einen Krieg vom Zaun brechen, immer in der Hoffnung, auf dem Schlachtfeld zu sterben. Hitler hatte ja auch nur Eva Braun und
seinen Schäferhund zur Auswahl.

Während sich die drei erst einmal die Leber wegsingen, sehe ich im Publikum andere unglückliche Kartengewinner, die verzweifelt nach ihren Fernbedienungen suchen. Wer trotzdem einigermaßen krampfhaft der simplen Handlung noch zu folgen gewillt ist, findet nach einiger Zeit heraus, dass die Duschvorhangtussi Aida sein soll, während Papagena ihren Counterpart, nämlich die Pharaonentochter Amneris verkörpert. Nach einiger Zeit schlägt dann auch Vater Pharao auf und liefert sich mit seiner Tochter einen Wettbewerb um den schönsten Oberlippenbart.

Dann ist Pause, der Saal leert sich schneller als Waldi Hartmanns Weizenbierglas und die Damen an der Theatergarderobe, die trotz ihrer mehr als 60 Lenze jede der Kugelbauchverehrerinnen locker in punkto Sex und Aussehen toppen, bekommen überraschend viel zu tun und erleben einen Ansturm, wie ihn sonst nur Supermarktbesitzer vom ersten Schlussverkaufstag kennen.

Nach der Pause sind die Reihen der Zuschauer deutlicher gelichtet als das Haupthaar vom Kriegshelden und Aidas Zahnreihe. Dafür bekommen wir Häuflein Aufrechter aber jetzt auch den Triumphzug von Klein-Radames trauriger Armee zu sehen, der ärmlicher und erbärmlicher aussieht als ein Zug polnischer Soldaten nach der Kapitulation Warschaus. Wie mögen da erst die Verlierer der Schlacht ausgesehen haben? Krieg ist echt die Hölle.

Im Laufe der sinnlosen Handlung bekommt der Kriegsheld alsdann von Papagena eine Auszeichnung in Form einer Schlinge, doch meine Hoffnung, dass er sich erhängt, erfüllt sich nicht.

Immerhin wird das Bühnenbild fast schon erschreckend abwechslungsreich. Die Bierbank wird entfernt und macht einem natürlich weißen Plastikstühlchen mit einem weißen Plastiktischchen Platz, an dem die hässlichen Kröten singenderweise irgendwelche Verhandlungen führen.

Im Ergebnis jener Verhandlungen beschließen die Meistersinger, dass die Bierbank doch hübscher als die Campinggarnitur war und wir bekommen eine weitere Pause.

Während ich aus dem Auto meine Sonnenbrille hole um nicht schneeblind zu werden, speist Verdi durch die Rotation im Grab den wöchentlichen Energiebedarf von New York ins Netz der Stadtwerke. In der Tiefgarage verprügelt eine Frau ihren Mann, weil er ihr die Karten zum Geburtstag geschenkt hat.

Nach dieser zweiten Pause sind die Darsteller gegenüber ihrem Publikum deutlich in der Überzahl, weswegen sich von uns Hartgesottenen auch keiner mehr zu lachen traut.

Aber zum Lachen gibt es eigentlich ja auch keinen Grund, denn jetzt kommt die hochdramatische Kerkerszene, in der sich der Kugelbauch zuerst von Papagena und anschließend von seinem Leben verabschieden soll.

Während sich die Pappwolke, die wohl der Kerker sein soll, langsam von der Decke senkt, hat Kriegsheld Radames die originelle Idee, die Handlung umzustricken. Er setzt sich, augenscheinlich im festen Glauben, dass physikalische Gesetze nur für die Anderen gelten, auf das Ende der Bierbank und landet krachend auf dem fetten Heldenarsch.

Generalfeldmarschall Kugelbauch quietscht vor Schreck und wir paar Publikumsfragmente vor Freude, es gibt einen Tumult, der weiße Vorhang fällt gnädig und wir ziehen gackernd und kichernd ins Foyer. Unser Häuflein aufrechter Opernliebhaber beschließt, den vergnüglichen Abend noch bei italienischer Pizza und Rotwein ausklingen zu lassen und wir tauschen Adressen.

Der Überfall auf Polen trug seinerzeit den Decknamen „Fall Weiß“ – jetzt weiß ich auch warum: Hitler muss am Abend vorher Aida in polnischer Inszenierung gesehen haben.
14.2.08 00:20
 
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