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Die Geschichte vom Christbaum

Die Geschichte vom Weihnachtsbaum 29.10.07

Es war einmal eine Familie. So, wie meine. Die wollte sich einen Christbaum kaufen. So, wie meine.

Früher glaubte ich immer, Ehebruch wäre Scheidungsgrund Nummer 1. Nun, mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass der gemeinsame Christbaumkauf vor Weihnachten mehr Ehen auf dem Gewissen hat als sämtliche Brezelverkäuferinnen Münchens zusammen.

Alleine schon die Diskussion, wo der Baum denn „ausnahmsweise“ DIESES Jahr stehen soll, wird heftiger geführt als israelisch-palästinensische Friedensgespräche. Ich plädiere für den Standort hinter der Türe, weil wir das 20 Jahre schon so machen, meine Frau will ihn dieses Jahr neben dem Sofa haben, weil wir das in 20 Jahren noch nie so gemacht haben, mein Ältester besteht auf einem Standort, der auf jeden Fall den Blick vom Esstisch zum Fernseher nicht blockiert, die Mittlere will ihn, egal wie, auf ein Tischchen stellen, damit die Geschenke nicht vollgenadelt werden und der Jüngste erbricht kurz die mittäglichen Spaghetti vor der Wohnzimmertüre.

Schließlich, nach stundenlangen, hitzigen Debatten, die ein- zweimal kurz vor dem Abbruch und dem Eingang in die Statistik häuslicher Gewalt eingehen, einigen wir uns darauf, das komplette Wohnzimmer umzustellen und zu renovieren und stellen den Baum, den wir noch gar nicht gekauft haben, dahin, wo er immer steht, allerdings räumen wir die Regalwand als Raumtrenner in die Mitte des Zimmers und drapieren das Sofa daneben und so haben wir einen guten Kompromiss gefunden, wenn auch der Älteste nicht ganz zufrieden ist, weil er jetzt zwar den freien Blick vom Esstisch zum Fernseher hat, aber leider auch nur auf dessen Rückseite.

Und dann kommt die, in Bayern sagen wir „stade“ also „stille Zeit“, in der die heimelige Stille auf allen Straßen einkehrt, weil sämtliche Familienfahrer sich in der gleichen Stunde zum Christbaumkauf aufmachen und folgerichtig im Stau stehen.
„Christbaumkaufen“ ist in etwa so riskant wie die Teilnahme an einer Media-Markteröffnung – und auch in etwa so kostspielig. Und sogar möglich. Denn zwischen erstem und 24sten Dezember verkauft so ziemlich jedes Geschäft, das eine Türklingel hat, potentielle Christbäume. Du stehst dann da, schleichst um die traurigen Tännchen und brauchst mehr Phantasie als die Autorin von „Harry Potter“ , um Dir dieses dünne, krotzige Stück Holz im festlichen Weihnachtskleid als allseits bewunderter Familienbaum vorzustellen. Natürlich, da hinten, der in der Ecke, die Blautanne da, die wäre es gewesen, aber an der zerren zu diesem Zeitpunkt bereits gleich drei Familienväter nebst Anhang herum und liefern sich spannende Antworten auf die Quizfrage „wer hat ihn zuerst gesehen?“ und bearbeiten den Prachtbaum so lange, bis jeder einen schönen Ast in den Händen hält.

Und während meine ob des von mir ergatterten jämmerlichen Tannenzweigleins murrende Familie den Showdown zwischen den Blautannenziehern beobachtet, fällt mein Auge eher zufällig auf das Preisschildchen meines fest gekrallten Beuteholzes und da steht „65,- €“ drauf.

Nun, für 65,- Euronen kann ich mir auch ein Stück Treibholz aus dem Main ziehen und mit den für dieses Geld gekauften Spirituosen schönsaufen.

Wir wechseln in die Apotheke nebenan, die ebenfalls einen Christbaumverkauf hat. Oder vielmehr „hatte“, denn die fegen gerade den Rest des Verkaufsstandes zusammen, über den augenscheinlich eine sich von Tannennadeln ernährende Heuschreckenplage eingefallen ist. Waren wohl schon etwas betagter, die Bäumchen…

Auf dem Weg zur Spasskasse, die heute ebenfalls den Weihnachtsbaumverkauf eröffnet, macht der Älteste mir illegale Vorschläge über die individuelle Spontannutzung von Tannenschonungen im heimischen Mischwald, die von mir jedoch kategorisch abgelehnt werden, weil ich nicht ins Gefängnis will, die Mittlere kommt auf die irre Idee, bei IKEA einen Plastikbaum zu kaufen und der Jüngste erbricht die Lebkuchen in einer rötlichen Flüssigkeit, die sich, wie sich auf Nachfragen herausstellt, als Glühwein entpuppt, den mein Ältester dem Kleinen quasi „als Scherz“ in einem unbeobachteten Moment aus meinem Glühweinbecher verabreicht hat. Sehr lustig, jaja.

In den auf dem Parkplatz der Spasskasse stattfindenden Tannenbaumverkauf kommen wir leider nicht herein, da der Zugang gerade von einem Rettungswagen versperrt wird, der den von begeisterten Christbaumkäufern halb tot getrampelten Weihnachtsbaummann gerade abtransportiert und außerdem sind keine Bäume mehr da.

Manchmal muss man eben Mann sein: ich betrete die Spasskasse und beantrage ein Darlehen für ein Grundstück, auf dem, oh wundersamer Zufall, mutmaßlich Tannen wachsen können, fahre durch einen Stau tannebaumgeschmückter Kombis zu einer Gärtnerei und biete dem Gärtner Frau und Kinder für das Privileg an, 40m² seiner Baumschule zu erwerben. Er stimmt freudig zu und dies ist auch der Grund, warum ich Weihnachten dieses Jahr zwar alleine, aber immerhin mit einem schönen Buchsbaum feiern werde.

Frau und Kinder löse ich natürlich aus: nächstes Jahr. Im Dezember. Wenn auf meinen 40 Quadratmetern Tannen gewachsen sind. Wahrscheinlich bekomme ich dann die Gärtnerin noch dazu!
29.10.07 19:09
 
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