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23 Orangeade mit Schuss

Im ZDF läuft so ein Fan-Wettbewerb: Gesucht wird ein Spitzname für die deutsche Elf. Die Holländer heißen ja Elftal, die Südafrikaner „BananaBanana“ (oder so), die Brasilianer, Argentinier, Spanier und Portugiesen, die Uruguayer, Paraguayer und sonstige –ayer irgendetwas mit „Selecao“ (nur immer leicht anders geschrieben, und sogar die Schweizer nennen ihre Spieler „Nazi“, womit dieser Spitzname schon vergeben wäre… Ich hatte mich für die ausländische Bezeichnung „Panzer“ stark gemacht, konnte aber damit nicht durchdringen, meine weiteren Vorschläge „Elferrat“, „Stukas“, „Sturmabteilung“, „Sturmbann“ sowie „Knusperköpfe“ , „Wadenverhärtete“ und „Trockenschwimmer“ stießen aus mir unerklärlichen Gründen auch auf wenig Gegenliebe. Zumindest kann mir aber keiner nachsagen, ich hätte mich nicht bemüht.

Im deutschen Team herrscht ja derzeit etwas Unruhe, weil Lahm sich nicht so richtig von seiner Damenbinde trennen kann, die der Ballack gerne wiederhätte – warum auch immer. Ballack, der eigentlich ein wenig Fussi gucken und sich dabei die Waden massieren lassen wollte, ist daraufhin beleidigt nach Hause geflogen und hat angekündigt, seine eigene Nationalmannschaft gründen zu wollen, in der dann der Lahm nicht mitspielen darf. So. Den Posten eines Mannschaftsadmirals oder Flottenchefs, den man ihm zur Güte angeboten hat, hat er abgelehnt. Man darf aber nicht vergessen, dass die Mannschaft mit Ballack nicht so weit gekommen wäre und trotz Podolski so weit gekommen ist. Das sind für mich persönlich gewichtige Gründe, Schweinsteiger zum Kapitän zu machen, aber ich habe ja nichts zu sagen. Gottseidank.

Apropos Schweinsteiger: Eine südafrikanische Zeitung hat dem schweinigen Steiger beschweinigt, "Ein neuer 'Führer' mit der Arbeitseinstellung von Stefan Effenberg und der furchterregenden Aura von Adolf Hitler“ zu sein. Na, kein Wunder, dass die Polendolskis im Team zittern. Jetzt ist es raus: Klose und der Dings und der Bums haben Angst, von Schweini von hinten überfallen zu werden, wenn sie es vorne nicht bringen. Könnte man nicht Lahm zum Kapitän und Schweinsteiger zum Führer und ersten Mannschaftskanzler ernennen?

Jo, gestern also erstes Halbfinale, auf jeden Fall spielten ja die zweitbeste gegen die viertbeste Mannschaft des Turniers, egal, wie diese WM letztlich ausläuft.
Der vor 2000 Jahren ja zweimalige Weltmeister Uruguay gegen die vor 1000 Jahren ja Vizeweltmeister gewesenen Niederlande. Ein Spiel, das Spannung versprach und bis zu den letzten fünf Minuten nicht hielt.
Eigentlich ging es ja ganz fix: bereits nach 18 Minuten uruguayanischem „den Ball ins Aus treten“ macht irgendein Van Dingenskirchen aus 25 Meter einen Passfehler und der Ball knallt in den Winkel des südamerikanischen Tores, der südamerikanische Torwart sieht südamerikanisch hinterher, wie seine Mannschaft 1:0 in Rückstand geht, was nicht schon ist. Für ihn. Die Orangenen jubeln, die Hellblauen schütteln verblüfft die Köpfe.

Die Uruguayer geben sich in der Folgezeit sehr viel Mühe und donnern noch viel mehr Bälle in´s Seitenaus als während der kompletten WM. Sie können halt nichts anderes, ungelernt ist eben ungelernt. Und immer wieder scheuchen holländische Vorstöße die wackeren Lateinamerikaner durcheinander, sodass dort dann doch sehr schnell eine schöne Konfusion herrscht, die ebenfalls nicht spielfördernd ist und sogar gelegentlich zufällig und nicht nur absichtlich den armen Jambolani (so heißt der Ball, nicht der Trainer) vom Spielfeld kullern lässt.

Doch plätschert´s nicht, so tröpfelt´s doch. In der 41.sten Minute will Forlan einen Ball ins gegnerische Tor-Aus zimmern, trifft aber zur Überraschung aller den holländischen Kasten und der ganze Latino-Kontinent brüllt Gooooool und es steht 1:1 Unentschieden.

Dafür fangen die Feldspieler umso entschiedener an, miteinander Knäuel zu bilden, wo es dann auch schon einmal gerne lauter und wie auf dem Schulhof geschubst wird.

In der zweiten Hälfte spielen beide Mannschaften eine Art „Prostata – Fußball“. Man würde gerne, aber es läuft nicht. Weder hüben noch drüben und man muss schon Holländer sein, um dem stumpfen Herumgekicke Freude abzugewinnen. Ich gehe Blumengießen, etwas Schlaf tanken, aufs Klo und an den Kühlschrank. Was will man sonst machen?

Das Gezappel geht bis zur 70sten Minute, man vergnügt sich auf dem Rasen mit Einwürfen, auf den Rängen wird das übliche Vuvuzelagebrummel von den Schnarchgeräuschen unschuldiger und unbeteiligter Zuschauer weggedrückt. Dann bekommt ein gewisser Sneijder den Ball, der wohl in einer einsamen Entscheidung beschlossen hat, nur 90 Minuten laufen zu wollen und macht den Uruguayern das 2:1.

Das ist natürlich wie ein Weckruf. Und während sich die Uruguayer noch verschlafen die Augen reiben, bewahrt eine orangene Robben einen kühlen Kopf und nutzt diesen zum 3:1, nur 3 Minuten später.

Das könnte es gewesen sein, das 2.200ste Tor der WM-Geschichte (wer zählt eigentlich so einen Scheiß?) brächte Holland ins Finale, wenn die Uruguayos jetzt klein beigeben. Wollen die aber nicht, weil sie die leicht entflammbaren Charaktere ihrer Landsleute kennen. Und so bemühen sich unsere Exexexexexex-Weltmeister, vor dem holländischen Tor immer wieder einen Knäuel zu bilden, um da irgendwie den Ball doch noch einmal in den gegnerischen Kasten zu mauscheln. Das funktioniert auch tatsächlich in der 90sten Minute und wären die Holländer schon in der Kabine gewesen, dann hätte Uruguay in der allerallerallerallerletzten Nachspielzeit bestimmt noch einmal irgendwie den Ausgleich gemacht. Haben Sie aber nicht.

Deswegen ist Holland plötzlich wenigstens Vizeweltmeister und bricht damit die Regel, dass europäische Mannschaften nur in Europa Weltmeister werden können. In Amsterdam fällt die Tränenüberflutung der Innenstadt aus, in Montevideo setzt sich der gemeine Südamerikaner auf den Boden und weint. Aber nur etwas. Vierter sind sie ja in jedem Fall, was mehr ist, als Italien und Frankreich zusammen im Turnier gewuppt haben.

Heute also dann gegen Spanien. Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: „sind Kraken Orakel oder Nahrungsmittel?
7.7.10 18:58


22 Tag 1 nach 4:0

Der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Heute ist der 1. Tag nach 4:0. Ich habe diesen Tag sehr gepflegt damit zugebracht, meine Vuvuzela-Sammlung zu putzen und über Maradona zu lachen.
Wer war eigentlich dieser Messi, von dem die immer gesprochen haben? Müller kenne ich, Müller ist mit Sicherheit auch in Argentinien bekannt – aber Messi?

Gut, wir wollen nicht spotten und arrogant sein, schließlich haben ja Klose, Müller und der Dings die Tore geschossen und nicht die 80 Millionen Bappsäcke, die daheim vorm Fernseher hocken und das war nicht schlecht. 4:0 ist ein ziemlich Pfund gegen Argentinien, aber wir wollen auch nicht vergessen, dass eine WM nichts anderes als die Leistungsschau und Leitmesse des internationalen Fußballs ist und die Spieler da schön ihren Marktwert gesteigert hat.

Ein ganz witziger Nebeneffekt dieser WM ist übrigens die Nichtteilnahme unserer braunen Stiefbrüder und Stiefschwestern vom rechten Rand, die sich so eifrig über „diese Multi-Kulti-Mannschaft, die ja nur zur Hälfte aus echten Deutschen besteht“ mokiert haben.

Jetzt hätten sie endlich mal Grund, „stolz, ein Deutscher zu sein“ - und müssen ausgerechnet jetzt mit ihren schwarz-weiß-roten Fähnchen nasenbohrend neben dem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer der Fanmeilen stehen und dürfen und können nicht mitfeiern. Tja, dumm gelaufen, wenn man ein dummer Rassist ist. Da hat man geblökt, „diese Mannschaft ist nicht repräsentativ“ und muss dann mit ansehen, wie das 99,85 % der Bevölkerung ganz anders sehen. Das ist für die Kameraden eine ähnliche Enttäuschung wie für die Genossen die Abschaffung der DDR.

Wäre ich nach Spanien ausgewandert, dann würde ich übrigens jetzt schnellstens zurückwandern. Nur für den Fall, dass Spanier und Deutsche eine ähnliche Leistung wie bei ihren letzten beiden Spielen abrufen. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein- oder andere Iberer auf „oleee, oleoleole, wi arr de Schämpions, olee“ nicht so unbedingt sensibel und feinfühlig und mit der nötigen Distanz reagiert, sollte es dazu kommen, dass Spanien um Platz 3 spielt.

Im Übrigen finde ich aber auch diese proletierenden Pappnasen, die in jedes Mikrofon „EINFACHNURGEILEINFACHNURGEILJEDZZWERNWIRMELTWEISTERUNMARSCHIERNDANNINRUSSLANDEIN“ gröhlen, genau so angenehm wie ein fettes Furunkel am Hintern oder einen Fan von England. Ist ja schön, wenn man sich freut, aber dieses heisere, von Bier und Kippen angeröstete Gebrüll, dazu die Gestik geballter „Becker“-Fäuste und das Gezitter, als ständen die Jungs nicht nur unter Stoff, sondern auch unter Strom – kein Wunder, wenn uns der Rest der Welt hasst. Da halt ich mir doch lieber einen Rottweiler im Schlafzimmer, als zuzugeben, mit den angetrunkenen Intelligenzverleugnern zur gleichen Nation zu gehören. Kleiner Trost – die „Fans“ anderer Mannschaften sind genauso blöd – auch, wenn wir bisher aus England und Argentinien nur Bilder von weinenden und desillusionierten Nervenwracks gesehen haben.

Ich gebe im Übrigen auch zu, noch auf keiner Fanmeile gewesen zu sein. Die Vorstellung, zwischen 200.000 halbnackten Wilden gefangen zu sein, macht mir keine Angst, das kenne ich aus dem Mallorca-Urlaub – aber auf den Meilen hat es nur zwei Klos...

Spanien also am Mittwoch. Trochowski freut sich schon, dass er auch mal in einem regulären Spiel einen Ball kriegen wird – und er hat sich schon fest vorgenommen, ihn ganzganz weit einzuwerfen. Zu Podolski.
4.7.10 22:22


21 Buenas noches

Toooor! Toooor! Toooor! Von allen sinnlosen Geschenken habe ich heute das sinnloseste Geschenk bekommen. Ein waschechtes Fußballtor. Weil mein Ältester heute beim Torwandschießen im Baumarkt treffsicherer als Podolski war und somit seine Visitenkarte als Stürmer in der WM 2018 abgegeben hat. Ich hätte ja lieber eine Tischtennisplatte gehabt, aber die gab es nicht. So steht also jetzt ein demontierter Torrahmen beim Sperrmüll und ich habe auf dem Balkon eine Spitzen-Hängematte, denn man muss sich nur zu helfen wissen und aus der Situation das Beste machen.

Tja. Gestern schon wurde ja der HERR bei Fußballmannschaften bemüht, er möge ihnen doch, bittedanke, den Sieg schenken. Am heutigen Tag hatte ich das Gefühl, der HERR erlaubt sich mit den Kickern und deren Nationen typisch göttlich-grausame Scherze. Aber nicht nur mit denen. So setzt man im ZDF immer noch stur auf KMH und Olli, den Dicken, der früher mal ein gar nicht mal so schlechter Torwart war. Die Moderation geht ungefähr so, dass KMH sagt, „Olli, was geht in einem Spieler so vor, wenn er einen Elfer versemmelt“ und Olli dann pflichtbewusst sagt „der ärgert sich dann“, worauf KMH dann solche Sachen wie „Also ungefähr wie Hitler nach der Kapitulation Stalingrads“ entgegnen muss. Das sind Glanzlichter der Moderation, das können sogar meine Kinder vor dem Fernseher besser, wenn mein Kleinster das kurz und prägnant mit dem Satz „Was für ein Depp“ auf den Punkt bringt. Besser geht das nur noch bei RTL, wenn der Kommentator trocken feststellt: „eine Mannschaft kommt heute weiter, denn es kann hier nur einen Sieger geben.“ Das hätte auch von Heidi, der Mode-Muschi aus Bergisch-Gladbach kommen können.

Nichtsdestotrotz: Diego, der eigentlich bereits Kraft seines Namens den besten Draht zum HERRN haben müsste, trat heute mit seinen Jüngern gegen Jogis multikulturelle Lausbubentruppe an und es durfte nicht mehr und nicht weniger erwartet werden, als das Argentinien mit Deutschland mal wieder ins Elfer-Schießen geht, aber der deutsche Antrag, doch die ersten 120 Minuten wegzulassen und gleich ins Elfer-Duell zu gehen, wurde von den Argentiniern lächelnd abgewiesen. Man wollte das lieber in der regulären Spielzeit klarmachen.

Ich schrieb einst, dass es Spiele gibt, die den Namen „legendär“ tragen werden. Wir sahen heute gleich zwei davon. Aber der Reihe nach:

Irgendjemand hat gesagt, dass man vor einer Mannschaft, die es sich leisten kann, einen Aguero und einen Mellito auf die Bank zu setzen, allerhöchsten Respekt haben muss. Nun, in Deutschland hat man eine Mannschaft, die es sich leisten kann, sogar einen Podolski und einen Dingens, einen Khedira, spielen zu lassen. Das muss ja auch erst einmal jemand nachmachen. Maradona jedenfalls hat seine Drohung, er würde „für die Mannschaft töten“ nicht wahr gemacht. Er hatte Angst, Podolski zu erwischen und so Deutschland einen unfairen Vorteil zu verschaffen.

In jedem Fall lauschen die Argentinier noch ihrer verhallenden Nationalhymne, die mit den charmanten Sätzen „Mögen wir von Ruhm gekrönt leben, oder wir schwören ruhmreich zu sterben!“ endet, nach, da zappelt der Ball auch schon nach dem zweitschnellsten Tor einer WM im argentinischen Netz. Das nennt man im Fachjargon „Führung“

Das hatte Diego Primaradonna aber anders geplant und die Argentinier sind auch etwas verblüfft. Irgendwie hat man bei den Herren vom südamerikanischen Kontinent nämlich keine Übungm einem Rückstand hinterherzurennen und es sieht ärgerlicherweise auch nicht so aus, als wollten Jogis junge Lauser den Vorsprung nicht nur verwalten, sondern ausbauen.

In der 36sten kassiert dann auch Müller, der Torschütze, eine Gelbe, um diese Gefahr für die Nachfolgegegner auszuschalten, was im Rahmen der bisherigen Schiedsrichterleistungen durchaus als „stringente Fortsetzung“ zu bezeichnen ist.

Kurz darauf: Tor für Argentinien und Diego, „the human Gummiflummi“ will schon zu einer Orgie ansetzen, als er bemerkt, dass der Linienrichter die Fahne oben hatte. Das ist jetzt Pech,

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild. Die Argentinier mühen sich und sind fleißig, Problem dabei: die Deutschen sind es auch. Bis zur 68sten stehen die Chancen ganz gut, dass Diego „the hand of god“ tatsächlich noch zu seinem täglichen Fussballsex kommt, da spielt Müller zur Abwechslung mal im Liegen zu Podolski, der verkackt prompt seinen geplanten Torschuss, aber Klose kommt versehentlich doch noch an den Ball und plötzlich steht es 2:0 für die in schwarz gekleideten Jogibären. Im Fußballjargon nennt man das zu diesem Zeitpunkt „aller klarmachen“.

Das könnte also ein klein wenig eng wären, außer, wenn die Gegner Türken sind, Maradona betet imbrünstiger als die Maradona vorm Kreuz, aber Jesus hört ihn wegen des Vuvuzelagebrumms irgendwie nicht und Bastian Schweinsteiger, den heute niemand mehr Schweini nennt, lässt heute lächelnd sogar Arne Friedrich sein Tor zum 3:0 machen und nicht einmal der Kölner Lukas kann das verhindern. Das nennt man in der Fachsprache „Klatsche“.

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, Gomez einzuwechseln, aber Löw hat ja schon Kroos, Trochowski und Jansen auf dem Platz, um Argentinien zu demütigen und man muss es ja nicht übertreiben. Klose weiß das mit dem „Übertreiben“ aber nicht und macht in der 88sten Minute auch noch das 4:0. Im Fußballjargon ist das jetzt „ein Massaker“. Das würde nicht einmal einer türkischen Mannschaft zum Aufholen reichen und so enden die Karrieren von Messi, Higuain und Maradona nicht nur mit einer Niederlage, sondern mit einer echten Schmach und Demütigung, gegen die die englische Niederlage 4:1 Katastrophe wie eine Verkettung unglücklicher Umstände aussieht. Und da ist es völlig egal, dass ich gestern de Michelis in die brasilianische Mannschaft gesteckt habe, denn er fährt so oder so heim. Mit dem Rest der eigentlich doch gar nicht so schlechten Blau-Weißen Selecao, bei der sich der Träner, den man heute ruhig so schreiben darf, mindestens ebenso heftig bewegt hat wie seine Spieler, die jetzt sehr viel weinen.

In jedem Fall gehören Jogis Jungens jetzt zu den 4 besten Mannschaften der Welt und machen in jedem Fall noch 2 Spiele, die Argentinier sind ja immerhin noch unter den letzten 8, was so schlecht auch nicht ist und worüber sich beispielsweise Italiener und Franzosen sehr freuen würden. Und an dieses Spiel wird man sich noch in 50 Jahren als „historisch“ erinnern.

Aber gegen wen wird es gehen? Das wird zwischen Paraguay und Spanien ausgeschnapst.

Auf dem Papier ist das eine klare Sache. Die Spanier klatschen die Mittelamerikaner mit 5:0 lächelnd vom Platz und haben dabei nicht einmal Schweißperlen auf der Stirn.

In der Praxis wollen die Spanier zwar Fußball spielen, aber die Paraguayos nicht und betätigen sich sehr destruktiv gegenüber der spanischen Fußballkunst und gehen damit nach spätestens 15 Minuten den Iberern mehr auf den Sack als deutsche Touristen in Palma und dementsprechend entnervt fangen sich die Espanolos plötzlich sogar Konter ein und verlieren ihre Linie.

Dann machen die Paraguayos ihr Tor, aber weil nicht sein darf, was nicht sein kann, übergehen dies die Schiedsrichter und entscheiden sich lieber für Abseits.

Nach der Pause ein ähnliches Bild. In Villa Riba wird feste gestürmt, in Villa Bacho herumgenervt und es sieht so aus, als würde das ganze Gekicke in die Verlängerung und dann mal wieder ins Elferschießen gehen. Die Mannschaften jedenfalls scheinen das zu wollen, haben dabei aber einen anderen Zeitplan als die Fifa, ein Spanier versucht, einem Mittelamerikaner den Arm zu brechen und vergisst, dass er sich im eigenen Strafraum befindet. Das gibt natürlich einen Elfer. Für Paraguay. Und der HERR, in seinem unendlichen Sinn für Humor, hext Podolski auf den armen Paraguayo, der zwar das Tor, aber auch den darin befindlichen spanischen Torwart trifft.

Und während noch die Entsetzenschreie durch ganz Mittelamerika halten, kriegen die Spanier auch ihren Elfer auf der anderen Seite vom Feld. Xabi Alonso tritt an und trifft tatsächlich. Aber leider sind seine Kumpels zu früh in den Strafraum gehalten und der Schuss muss wiederholt werden.

Und jetzt, der HERR hält sich den Bauch vor Lachen, hat auch Alonso Podolski und schiesst auch den Torwart ab, aber die Spieler waren wieder zu früh im Strafraum und der portugiesische Torwart zieht nach dem Abpraller gleich wieder einen Spanier von den Beinen und eigentlich müsste es jetzt sogar zwei Elfer für Spanien geben, aber das Schiedsrichtergespann hat das pfiffige Spiel der beiden spanischsprachigen Gauner durchschaut und tut so, als hätte es nichts gesehen.

Seufzend also stellen sich die beiden Mannschaften darauf ein, dass sich das alles noch etwas zieht. Und bis zur 83sten ist so ein wenig die Luft raus, als sich der HERR eine neue Wembley-Variante ausdenkt. Villa trifft den rechten Pfosten, der Ball springt dann zum linken Pfosten und kullert dann zur Überraschung aller Herumstehenden über die Torlinie.

Das war es dann auch, denn Paraguayer sind keine Türken und können kein Tor aufholen und so endet ein in der Schlussphase sehr sehr witziges Spiel mit dem Einzug Spaniens, was für die Urlauber auf Mallorca in der nächsten Woche sehr unangenehme Folgen haben dürfte. Wenn der Europameister auf den Vize-Europameister trifft. Die Paraguayer, die sich so tapfer gewehrt haben, dürfen die gleiche Maschine wie die Argentinier nehmen und Messi und Co auf dem Heimflug ein wenig trösten.

Deutschland versinkt in einem Fahnenmeer und Strömen von Alkohol und nicht einmal Günther Jauch und der Klopper bekommen das Spiel kaputt gequatscht und sollte Deutschland auch noch gegen Spanien gewinnen und dann auch noch gegen die Niederlande, dann hätte die Mannschaft das schwierigste Pensum gehabt, das je eine deutsche Mannschaft hatte. Aber vielleicht wird ja auch um Platz drei gegen Uruguay gespielt, was ich ziemlich scheiße fände.

Ja, Müller wird fehlen – aber dafür läuft dann ja Trochowski oder ein anderer No-Name auf. Da kann dann doch wirklich nichts mehr schief gehen – oder? Die Krake hat immer noch eine Trefferquote von 100%.
4.7.10 00:33


20 der Podolski-Virus

War das schön, die zwei Tage Pause. Einfach mal mit der Schippe in die selbstverständlich komplett abgedunkelte Wohnung gefahren und den angefallenen Müll (Pizzakartons, Fahnenreste, Krümel, versaute Möbel, Kippenpyramiden , Verwandte) aus dem Fenster in den vor dem Haus abgestellten Müllcontainer geschaufelt und schon kann es weiter gehen.

Ich hatte von der „Leeren Versicherung“ so einen „Fan-Stift“ geschenkt bekommen, das ist so etwas wie ein Lippenstift, mit dem sich die Haute Prolaute diese Deutschlandfähnchen übers Gesicht schmiert. Mein Jüngster hat das aber für Kaugummi gehalten und in einem unbeobachteten Moment gefressen, das Zeug. Dann hat er erst Bauchweh gehabt und dann schwarz-rot-gold gebrochen, was nicht so schlecht aussah, aber nicht den Zweck erfüllt hat. Hoffentlich geht es uns am Samstag, nach dem Spiel der Spiele, der Mutter aller Spiele, nicht genau so. Obwohl es, wie gesagt, ganz gut ausgesehen hat.

Heute dann endlich wieder Fußball, uns sind ja schon die Gesprächsthemen ausgegangen („Trägst Du den Müll raus?“ „Ne, wieso immer ich?“ „Sind noch Salzstängelchen da?“).

Heute zuerst die Hammerpartie Niedertrachtlande gegen Prachtsilien (Gut, gell? Ich sollte zur BILD als Schlagzeilendesigner). Europäische Filigranfußballer mit einem Schuss Arroganz gegen südamerikanische Arroganz mit einem Schuss Filigranfußball. Robben gegen Demichelis. Bayern II gegen Bayern III. Das Schöne an der Partie: man gönnt beiden Mannschaften, dass sie verlieren.

Bereits nach 8 Minuten zappelt es zum ersten Male im holländischen Netz, aber es gilt nicht, dafür sieht es dann aber erst recht nach 10 Minuten ganz gut aus, dass wir statt fetter hüpfender Brüste orangegewandeter Hausfrauen feste hüpfende Brüste brasilianischer Strandschönheiten zu sehen bekommen werden. 1:0 für Brasilien, in dem nicht weniger erwartet wird, als dass die „Selecao“ mit dem gefühlten einhundertdrölften Titel im Gepäck nach Hause kommen.

1:0 ist eine Mega-Führung und die südamerikanischen Kicker fangen ab der 11. Minute an, das Ergebnis mehr oder weniger zu verwalten, da sich sowohl bei Ihnen als auch bei mir ein wenig das Gefühl einschleicht, dass die Holländer zwar ebenfalls gerne den Titel hätten, aber irgendwie nicht so viel dafür tun wollen. Bis zur 45sten Minute plätschert das Spiel recht lustig vor sich hin, nach dem ganz großen Fußball sieht es aber eher nicht aus.

In der Pause gehen deutlich entspannte Brasilianer neben zusehends verspannten Holländers in die Kabine und kommen tatsächlich auch wieder raus, um die zweite Halbzeit abzusitzen.

Die Holländer bemühen sich zwar, kommen aber irgendwie nicht an der brasilianischen Abwehr vorbei, die gelegentlich spitzeln, dribbeln und kleine Fehlpässe schlagen. Nur so zum Spaß. Der Brasilianer Melo schafft es dann sogar, ein Tor mit dem Hinterkopf zu machen. Leider wählt er aber dazu den eigenen Kasten und es steht 1:1.

Das war so natürlich nicht geplant und gibt einen netten dramaturgischen Effekt, denn jetzt sind die niederen Lande Europas wieder im Spiel und rennen, als gälte es, eine WM zu gewinnen. Die Brasilianer fangen auch langsam wieder mit Fußball an, alleine, die Holländer haben sich die Spielweise der grünen Jungs von der grünen Lunge abgeguckt und machen ebenfalls ein Kopfballtor, allerdings treffen sie, im Gegensatz zu den Südamerikanern, den richtigen Kasten. Und das 22 Minuten vor Schluss.

Das ist ärgerlich. Für die Brasilianer. Holländische Hausfrauen hüpfen hemmungslos, südamerikanische Strandschönheiten sind sehr sauer. Der brasilianische Trainer ist es auch. Der brasilianische Spieler Felipe „the Hinterkopf“ Melo ist es auch und er versucht sich mit einem Foul als Robbenschlächter. So etwas sehen Schiedsrichter äußerst ungern und deswegen fliegt „Mister Schnitzer“, wie er daheim künftig genannt wird, achtkantig mit Rot vom Platz.

Die Brasilianer werfen nun alles nach vorne, was geht. Abwehr, Mittelfeld, kleine Wasserflaschen und Plastikstühle und fangen sich so natürlich gelegentliche Konter ein, die von den Holländern absichtlich schlampig gespielt werden, um die südamerikanische Demütigung komplett zu machen. Zwei Mal scheitern Holländer grinsend direkt vor dem freien Tor der Brasilianer.

Als der Schlusspfiff ertönt, beschließt man in Brasilien, Holland künftig nicht mehr mit Sauerstoff aus dem Amazonas zu versorgen und jeder, brasilianische Strandschönheiten rotzen traurig in brasilianische Fahnen während in Holland die Kirchenglocken läuten und Feuerwerksraketen in den Himmel steigen. Sogar die „Zwei Brüder von Venlo“ machen für 5 Minuten den Laden dicht und verkaufen nichts mehr an Deutsche.

OOOOOranje steht im Halbfinale und wird spielen gegen
Uruguay oder Ghana

Der Gretchenfrage des Tages.

Sagen wir es so: man konnte erwarten, dass es wieder so ein Deppenspiel zweier Fußballzwerge wird. Beide haben sich bisher mehr oder weniger durch die WM geschludert, nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Auf die Frage meines Jüngsten, „zu wem ich halte“, habe ich mit „zum Schiedsrichter“ geantwortet. Es wird auch der erwartete Grottenkick. Ist ja auch nur Viertelfinale.

Sicher, die „Urus“ können ebenso wunderbaren Zauberfußball spielen, wie die „Black Stars“ an einem sehr guten Tag sogar Island oder Italien ausschalten könnten. Alleine: diese Highlights dauern maximal 5 Minuten pro Spiel, während die Kasper den Rest der Zeit damit verbringen, Bälle wahlweise ins Aus oder auf den Gegner zu dreschen.

Das geht so bis zur Nachspielzeit der ersten Halbzeit, als ein Ghanaer mal wieder einen Fehlpass versucht, der aber versehentlich im Tor landet. Und so steht es plötzlich 1:0 für Ghana und damit 1:0 für Südafrika, Nigeria, Kamerun, Elfenbeinküste, Togo, für den ganzen verdammten afrikanischen Kontinent.

Dann ist für die gleichermaßen beiden überraschten Mannschaften Halbzeit, die die Ghanaer damit verbringen, im Kreis herumzustehen und sich gegenseitig Mut zur Ergebnisverwaltung machen.

Wie sich in der zweiten Halbzeit zeigt, ist Verwaltung kein afrikanisches Ding. Die Spieler kommen schlicht nicht pünktlich zu ihren Pässen und Uruguay stürmt mit dem Mut der Verzweiflung und wird bereits in der 55sten Minute mit einem Tor durch den schönsten Mann auf dem Platz, Forlan, belohnt.

Die Südamerikaner, die zwar zwei Mal Weltmeister wurden und trotzdem aufgrund einer Laune der Natur und der FIFA keinen Stern auf dem Trikot haben, rennen dem ghanaischen Keeper ein- ums andere Mal die Bude ein, während ihr Keeper ein kleines Picknick vor seinem Tor veranstaltet. In der ghanaischen Hälfte ist Jubel, Trubel, Heiterkeit, in der uruguayischen Hälfte gähnt die Leere.

Wie sie es schaffen – keiner weiß es. Plötzlich, in der allerletzen Minute der allerletzen Nachspielzeit der Nachspielzeit sind die Ghanaer vor dem südamerikanischen Tor, der noch gähnende Uruguay-Keeper hat vergessen, was er beruflich macht, Torschuss eins wird auf der Linie geblockt, Torschuss zwei wird auf der Linie geblockt, den dritten Versuch haut ein Feldspieler auf der Linie in Handballmanier aus dem Kasten.

Das ist aber leider nicht erlaubt.

Der unglücklich-glückliche Suarez fliegt dafür vom Platz und geht, ungewöhnlich genug für einen Südamerikaner, auch ganz brav und es gibt Elfmeter für Ghana, für Südafrika, für Kenia, Mosambik und den ganzen verdammten Kontinent.
Gyan, der Ghanaer. Kommt von ganz unten. Spielt bei den besten Clubs der Welt. Hat sich durchgebissen. Gyan mit „G“ wie „Gigant“. Auf ihm lasten die Träume und Hoffnungen von Millionen Schwarzafrikanern.

Auf den Rängen beten die Lateinamerikaner zu Jesus, die Ghanaesen zu Allah. Mal sehen, welcher Gott heute besser hört…

Es ist Jesus.

Gyan setzt den Elfer, wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben, podolskiesk an die Latte, der noch auf dem Weg in die Kabine befindliche Suarez dreht sich um und bekommt einen Lachkrampf, einige hunderttausend Afrikaner sterben an einem Herzinfarkt und es geht ins Elfmeterschießen.
Forlan, die schönste Frau von Uruguay, macht ihren Treffer ganz entspannt.

Gyan, die Niete von gerade eben tritt gleich wieder an und zeigt, wie es eigentlich richtig hätte gehen müssen.
Gott und Allah scheinen sich heute gleichermaßen gut zu amüsieren. Sie verpassen zuerst einem Ghanaer, dann einem Uruguayer einen Podolski und dann darf wieder ein Ghanaer, auf dem nun alle Hoffnungen und Träume des ganzen verdammten Kontinents liegen, alles klar machen.

Macht er aber nicht. Deswegen habe ich mir auch den Namen nicht gemerkt und der Name wird auch aus dem kollektiven Gedächtnis des ganzen verdammten Kontinents gelöscht werden. Sie hätten ihm Kränze geflochten, so treffen ihn ein paar Millionen Flüche.

Uruguay ist weiter und feiert Gottes Party, die Ghanaer kommen alle in die Fußballhölle und müssen viel weinen. Sehr viel weinen.

Und die Niederländer haben eine wirklich lösbare Aufgabe und dürften eigentlich im Finale stehen.

Ein doch recht witziger Spieltag geht zu Ende, allerdings stehen die Chancen immer noch ganz gut, dass lediglich Südamerikaner das Finale bestreiten. Hoffentlich kotzen wir nicht schwarz-rot-gold.

Fast hätten wir ja Glück gehabt, Prinz Poldi hatte die klassische deutsche Muskelverhärtung.

Aber er kann doch spielen.
3.7.10 15:06


19 Das Phänomen der zeitlichen Ausdehnung

Mein Auto ist aus der Reparatur von wegen der Deutschlandfahne zurück, hurra. Mein Jüngster war davon so begeistert, dass er in einem unbeobachteten Moment beschlossen hat, den SUV zum Fanmobil aufzupimpen. Ihm und den Marken „hanuta“ und „duplo“ sei Dank klebte Schweinsteiger am vorderen Kotflügel, Gomez stürmte auf dem Küllergrill gleich neben Klose auf der Kühlerhaube, Lahm fand sich auf der Beifahrerseite hinten rechts, Neuer hielt den Kasten der Heckklappe, flankiert von Mertesacker und Friedrich, sauber und nur Podolski kam unter die Räder, der musste sich mit der Lauffläche des Reifens begnügen. Ist auch der Einzige, den ich nach 2 Stunden Schrubben und Polieren da gelassen habe, wo er ist. Trochowski befindet sich auch noch irgendwo, er war auf jeden Fall nicht mehr auf der Ersatzbank in der Hosentasche des Kleinen und ich hege den Verdacht, dass er sich noch einmal unangenehm bemerkbar machen wird.

Apropos unangenehm: Diego Adolfo Maradona hat gedröhnt, „für Deutschland sei die WM beendet“. Er hat es allerdings anders ausgedrückt. Der O-Ton sei wohl gewesen, „err wärrde Doitschlan värrnächten, wä noch nä eine Foßball-Nation verrrnächtet worden äst.“ Ich befürchte, dass er Recht hat, denn die Argentinier haben keinen Podolski in ihren Reihen, die ja im Übrigen fest geschlossen sind und im gleichen Tritt marschieren die Gauchos derzeit ja auch durchs Turnier – aber vielleicht – nur vielleicht – behält ja das Krakenorakel recht, das Deutschland als Sieger sieht. Sollte es sich irren, dann gibt’s bei der Nationalmannschaft eben Tintenfischringe als Abschlussessen.

Heute die letzten beiden Achtelfinalspiele.

Ich fange so an: ich glaube fest, dass es ein bisher unbekanntes Zeitphänomen gibt. Je weiter ein Spiel vom Zentrum der Qualität entfernt ist, desto mehr dehnt sich die Zeit aus und man altert langsamer, weil Minuten zu Stunden werden. Während ein Qualitätsspiel im Zeitgefüge ungefähr 5 Minuten dauert, verlängert sich mit zunehmender Entfernung das Kontinuum.

So gesehen haben die Spiele heute mehrere Jahrzehnte gedauert.

Wer in der Partie „Paraguay gegen Japan“ ein langweiliges Rumgekicke zweier langweiligen Mannschaften mit langweiligen Namen erwartet hat, der wurde nicht enttäuscht. 120 Minuten Standfußball, 120 Minuten Lebenszeit, 120 Minuten Fußball aus dem siebenten Kreis der Hölle. Ein klares Indiz, dass die FIFA künftig darauf verzichten sollte, kleine Mannschaften weiterkommen zu lassen. Schlimmer hätte auch ein Spiel zwischen Frankreich und Italien nicht aussehen können – und sogar die hätten sich wenigstens aus Langeweile gelegentlich ein paar spannende Faustkämpfe geliefert.

Paraguay und Japan sind die einzigen Mannschaften der Welt, die es geschafft haben, sogar ein Elfmeterschießen ungefähr so spannend wie das Warten auf die Grünphase einer Autobahn-Blockabfertigung zu gestalten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Trainer aus Nippon nicht auf die geniale Idee gekommen wäre, einen Verteidiger, der noch nie in seinem Fußballleben auch nur ein Scheunentor getroffen hat, als Elfmeterschützen zu benennen. Die beiden Mannschaften würden jetzt noch auf dem Platz stehen und fleißig Elfmeter schießen.

So aber obliegt dem Sohne Nippons mit dem poetischen Namen „Koma no“ die zweifelhafte Ehre, die „blue Samurai“ (Eigeneinschätzung) aus dem Turnier zu kegeln, weil er die Torlatte kaputt ballert. Während also jener sich noch auf dem Platz voller Scham in sein Schwert stürzt, hüpfen die Paraguayos glücklich wie die Springteufelchen durchs Stadion. Sie haben es geschafft und dürfen auch weiterhin die Welt mit Folterfußball vom Feinsten gegen Spanien oder Portugal langweilen. Ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte.

Tja.

Spanien oder Portugal. Das Knallerspiel des Abends. Der Europameister gegen den letzten WM-Vierten. Ein Spiel, in dem sich Spieler wie Villa und Ronaldo, wie Torres und Simao, wie Dick und Doof gegenüberstehen.

Und das ganzganz lange 63 Minuten. In dieser Zeit hätte man sich auch die Wiederholung von Portugal gegen Nordkorea ansehen können, denn da waren bis zu diesem Zeitpunkt wenigstens 4 Tore gefallen. Gut, es ist nur eine Weltmeisterschaft, da geht es ja um nichts. Da braucht man sich auch nicht anzustrengen. Man rennt sich gegenseitig in die Abwehr, beschimpft sich wahlweise auf Spanisch und Portugiesisch, tut sich ansonsten aber in diesem Fußball gewordenen Waffenstillstand nicht weh.

Als die Spanier schließlich und endlich aus einer unklaren Abseitsposition versehentlich in der 63sten ihr Tor machen, fällt das den Portugiesen, die wir künftig „Spanien II“ nennen wollen, so wenig auf, dass sie erst einmal einen Gang zurückschalten, sofern das überhaupt noch möglich war. Der portugiesische Fußballgott Ronaldo hat seine beste Szene, als er nach dem Abpfiff sein Trikot auszieht und alle Homosexuellen zwischen Kapstadt und Kairo in Raserei versetzt, im Spiel selbst war er so auffällig wie ein Schatten in der Nacht.

Somit hat die bessere zweier schlechter Mannschaften gewonnen und darf im Viertelfinale gegen den anderen Langweiler aus der ersten Partie heute zum Rasenschach antreten.

Ist ja nur eine WM. Geht ja um nichts.

Wir dürfen auf jeden Fall auf den Freitag gespannt sein, wenn mutmaßlich die „Selecao“ die „Oranjes“ an die Verliererliste anpinnt und Ghana gegen Uruguay ins Elfmeterschießen geht.

Ich habe mir meine Betablocker für diese beiden nervenaufreibenden Duelle vierer Fußballgiganten schon in den schönen Farben Schwarz-rot-gold schon besorgt. Weckt mich, wenn´s vorbei ist.
30.6.10 12:13


Einschub: DFB-Pressekonferenz

Die Nationalmannschaft hat heute eine Pressekonferenz gegeben, die leider nicht veröffentlicht wurde. Der DFB hat es untersagt, warum weiß ich nicht. Aber der Bekannte eines Bekannten, dessen Schwägerin mütterlicherseits, die hat einen Cousin, der als Reporter dort war und von dem habe ich den Film, den ich aus Urheberrechtsgründen aber nicht zeigen kann.

Stattdessen hier das Wortprotokoll jener aufschlussreichen Konferenz der Nationalmannschaft:

Zuerst noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dem Sieg über England. Herr Löw, wie zufrieden sind sie mit dem Spiel jetzt in der Rückschau?

Löw: „Ja, es isch halt, isch hab dem Miro gesaagt, Miro, hab isch gesagt, högschte Konschendradion da vor dem Toor, der Lukasch hat ja auch und wir müssen mehr über die Außen und dann kam ja der Fillipp Laahm und der Thomasch hat die Dinger dann reingemacht.“

Wie beurteilen Sie die Abwehrleistung in der deutschen Mannschaft?

Löw: „Ja, es isch halt, wenn wir kombaggt schtehen, mit dem Arne und den Fillipp Laahm, högschte Konschendrazion und dann der Metzelder oder Metzfelder oder Merdesagger, den Namen kann man sich ja auch nischt merken, isch verwexel die immer.“

Was hat Sie dazu veranlasst, Trochwoski einzwechseln?

Löw: „Trochowski? Was für einen Trochowski? Wer isch das?“

Na, Sie haben doch dann auch Gomez aufs Feld geschickt.

Löw: „Jaaa, der Marion, der isch immer so schön und so sexy, da wollden wir halt den weiblischen Fääns auch was bieten, gell.“

Herr Friedrich, Arne, wie haben Sie sich gefühlt, als sie dem englischen Stürmer den Ball vom Fuss gespitzelt haben?

Friedrich: „Hab ich? Echt? Kann ich mich nicht mehr erinnern.“

Poldi: „Jo, jetzt wird erst einmal gefeiert, jo Und dann sehen wir weidä.“

Lukas, Sie haben ja das 2:0 geschossen, wie haben Sie sich da gefühlt?

Poldi: „Jo, ähm, jo, sag ich mal, jetzt wird erst einmal gefeiert.“

Herr Löw, wie sieht Ihre Strategie nun für das Argentinien-Spiel aus?

Löw: „Ja, mir werden mit högschter Konschendrazion, isch verschteh die Griddig auch nischt, der Miro im Schdurm, der Manuel isch halt auch eine Bank, die Opziooonen sind natürlisch, des isch des, was isch der Manschaffd auch immer wieder sag, da können wir nischt zufrieden sein, da liegt noch etwasch Arbeit vor unsch.“

Poldi: „Jo, jetzt wird erst einmal *hicks* gefeiert“

Thomas, sie haben ja zwei Tore gegen Eng…

Müller (schnell): „ja, ich versteh das ja auch nicht, ich bin ja total begeistert, ich hätte nie gedacht, dass ich der allerbesten Spieler dieser allerbesten Weltmeisterschaft, ich bin so gut wie nie, ich bin in der Form meines Lebens, nie hat es einen besseren Spieler als mich gegeben, man wird mir Kränze flechten und ich werde als erster den Pokal in den Himmel von Südafrika heben, seit Lothar Matthäus, ach, seit Franz Beckenbauer hat es keinen besseren Spieler als mich gegeben, ich baller aus jeder Position, ich mach die Argentinier so fertig, dass sie vom Platz schleichen, wie geprügelte Hunde, PAMM, 1 Tor, PAMM, 2 Tore, PAMM 3 Tore und dann fahren sie nach Hause, weil ich sie besiegt habe, ganz alleine, ich brauche keine Mitspieler, die mir im Weg herumstehen, hier macht nur einer geile Tore, das bin ich ICH ICH. Trotzdem muss ich natürlich vorsichtig sein, dass ich jetzt nicht abhebe.“

Poldi: „Jo, ähm, jetzt wird erst einmal gefeiert“

Müller: „Fresse, Elferlutschersackgesicht.“

Manuel, sie haben ja eine hervorragende Leistung gegen die Engländer gezeigt und sogar ein Tor verschummelt. Werden Sie auch wieder gegen Argentinien im Tor stehen?

Neuer: „Dätz it. Hihihi.“

Poldi: „Ähm, jetzt wird erst einmal…“

Neuer: „Shut up!“

Philipp, Ihnen als Abwehrchef und Teamkapitän fällt ja die schwierige Aufgabe zu, die Abwehr gegen Spieler wie Messi, Tiguan und Higuain zu organisieren, welches Rezept haben Sie?

Lahm: „Ja, also, äh…“

Müller: „Die mache ich fertig, die renne ich weg, ich bin so fit wie nie, ich grüße meinen Oppa und meine Omma und meine Cousinen und alle, ich hau die vom Platz, das hat die Welt noch nicht gesehen, trotzdem ist es wichtig, dass ich jetzt erst einmal am Boden…“

Poldi: „Jo, jetzt wirst *hups* erst einmal gef…“

Neuer: „Dätz it, hihihi

Löw: „Jungsch, högschte Konschendrazion jedzz…“

Mesut, werden Sie auch wieder spielen und vielleicht sogar ein Tor erzielen?

Özil: „Meine Gedanken und meine Fähigkeiten werde ich in den Dienst Allahs, Friede sei auf seinem Namen, stellen und so es Allah, Friede sei auf seinem Namen, gefällt, so werde ich den runden Gegenstand, den Allah, Friede sei auf seinem Namen und Mohammed ist sein Prophet, in seiner Weisheit erschaffen hat, in den Kasten der Ungläubigen senken, um seinen Namen, auf dem übrigens Friede sei, zu preisen.“

Poldi: „Unsere Frau Özil, hähähä. Jetzt wird erst einmal gefeiert, jo.“

Özil: „Ey, willst Du eine in die Fresse, Ascheloch?“
Mertesacker: „Frau Özil… Muhahahahaha.“

Lahm: „Kann ich bitte…“

Müller: „Frau Özil kann kein Tor machen, Frau Özil kann kein Tor machen, aber ihich, aber ihich…“

Klose: „Ich, äh, aber auch…?“

Gomez: „Ich nicht.“

Kießling: „Is noch was von dem Nutella da oder hat der Cacau sich wieder eingeschmiert?“

Cacau: „Ey, blöd oder was, Du Mitbringsel?“

Kießling: „Wer ist hier Mitbringsel, Depp?“

Marin (piepst von unter dem Tisch): „Ich bin Mitbringsel.“

Löw: „Bidde! Leude! Konschendrazion! Es sin Reppodä im Raum!“

Friedrich: „Wo bin ich?“

Trochowski: „Wer bin ich?“

Özil: „Ihr seid doch alle scheiße. Türkei is se Best.“

Klose: „Du, äh, mit, äh, Deiner, äh, toten, äh, Omma…“

Özil: „Ich figg Deine Mutta!“

Klose: „die, äh, is, äh, aber Polin. Die, ähm, macht das, äh, nicht. Jedenfalls nicht für ohne Geld.“

Löw: „Zum ledschden Mal, jeder, der wo wasch sagt, wo nischt gefragt isch, der geht ohne Abendessen insch Bedd.“

Tumultartiges Gemurmel, abflauend…

Ja, Herr Löw, wie sorgen Sie denn für den Zusammenhalt in der Mannschaft?

Löw: „Hamm sie ja gesähen. Das ist eine Frage der Autorität.“

Herr Löw, wo ist Bastian Schweinsteiger eigentlich?

Poldi: „Der hat Spezialtraining, auf seiner Tusse, hähähä… Der feiert, muhahaha…“

Alle: „Schnauze, Elferpfeife“

Und dann flogen die Fäuste und der Bericht endet.
29.6.10 12:47


18 Zwerge allein in der WM

Meine Mutter hat mir heute, ich traue mich kaum, es auszusprechen, - rischtiiiisch -eine Kaffeemaschine im Fan-Design mitgebracht. „Weil die im Angebot war“. Super. Ich bin also stolzer Besitzer eines Senseo-Kaffeebrauautomaten in schwarz-rot-gold. Es dürfte kaum einen sinnloseren „Fan-Artikel“ geben. Wenn Ihr also im Fernsehen beim Schwenk über die Fanmeile in HInterkirchsdorfshausen einen Typen seht, der eine Kaffeemaschine schwenkt – der bin ich. Wenigstens kann man damit mutmaßlich Kaffee kochen und das Röcheln einer Kaffeemaschine ist auch weitaus angenehmer als der Pups-Ton einer Vuvuzuela.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte ja heute nach dem überragenden Sieg gegen die Erzfeinde von Albion so irgendwie spielfrei, das bedeutet, diejenigen, deren Uschis in Südafrika waren, durften vögeln, die anderen mussten laufen. Wie man erfahren durfte, befindet sich eine Kart-Bahn in der Nähe des Fußballoberkommandos, aber Rennen mit angespannten Eseln sind trotzdem nicht wirklich spannend.

In England hingegen bereitet man sich auf die Ankunft der eigenen Spieler vor, in diversen Orten wurden Scheiterhaufen errichtet, man befindet sich kurz vor der Kriegserklärung gegen Italien, weil die Capello nicht zurücknehmen wollen, das englische Parlament ist zu einer Krisensitzung zusammenkommen, da Schottland, Irland und Wales erklärt haben, sie hätten mit England nichts zu tun und wüssten auch nicht, wo das liege und was das sei. Englische Fans haben das rote Kreuz aus der Fahne mit weiß überpinselt – als Zeichen der Kapitulation. Es herrschen Trauer und Niedergeschlagenheit. Wären die Engländer Italiener, dann hätten sie erklärt, dass das letzte Spiel nur ein Testspiel vor der EM-Qualifikation 2012 war und es sich bereits abzeichnen würde, dass sie pünktlich zu jenem Giga-Event mit der allerbesten Mannschaft aller Zeiten antreten würden. So geht das!

Die Fifa wiederum hat sich dagegen ausgesprochen, Schiedsrichter komplett abzuschaffen und die Klärung von Unstimmigkeiten künftig den Mannschaften selbst zu überlassen, was ich persönlich sehr bedaure. Wir hätten uns auf wahrlich packende Spiele zwischen körperlich gleichwertigen Mannschaften einstellen können, wenn der vermeintliche Underdog zwar besiegt, der Sieger aber tatsächlich nicht nur geschlagen, sondern auch noch verprügelt vom Platz gegangen wäre. Schade.

Über die heutigen Spiele gibt es nur wenig zu berichten.

Die Holländer haben entspannt die Slowaken mit 2:0 vom Platz getreten, der Schiedsrichter hat sich den grausamen Scherz erlaubt, den sichtlich frustrierten Ostgoten und Italienbezwingern quasi in der allerallerletzen Sekunde noch einen Elfer zu geben. Ich bin mir nicht sicher, ob bei diesem Elfer der grinsende holländische Torwart überhaupt noch in seinem Kasten und nicht schon beim Duschen war. Die Slowaken haben den „Anschlusstreffer“ auch brav gemacht und sind dann nach Hause gefahren, während die Oranjes sich entspannt und bei diesen Drinks mit den kleinen Schirmchen das Spiel ihres Viertelfinalgegners angesehen haben.

Brasilien gegen Chile: das ist Leidenschaft, das ist hohe Fußballkunst, das ist etwas fürs Auge, da wird gezaubert, gedribbelt, gekämpft, geröchelt, gestorben!

Ein Scheissendreck ist das.

Vielleicht ist es brasilianische Arroganz, vielleicht chilenische Unfähigkeit. Die „Curacao“ (oder so) behandelt jedenfalls die Chilenen, als seien diese keine wirklichen Gegner, was sie tatsächlich nicht sind. Die Gelben machen in der 34sten und 38sten ihre Tore und dann lockeres Auslauftraining. Die Chilenen haben nichts drauf, scheinen nicht so wirklich motiviert zu sein und rennen sich die restliche Zeit in der brasilianischen Abwehr fest. Die Brasilianer winken den holländischen Gegnern fröhlich zu und sparen sich die Kräfte für die wirklich wichtigen Spiele auf. Als dann nach 60 Minuten, einfach mal so, Robinho für Brasilia das 3:0 einschiebt, ziehen sich die weiblichen Brasilianerinnen auf den Rängen nackend aus und sind damit sehenswerter als verschwitzte und verheulte Chilenen, die es einfach nicht fassen können, dass sie mal wieder als Kanonenfutter für brasilianisches Amusement dienen.

In jedem Falle dürfte das Viertelfinale hier neben „Deutschland-Argentinien“ das Spannendste des bisherigen Turniers werden. Niederländische Coolness gegen brasilianische Arroganz, das ist doch was. Wahrscheinlich. Es kommt eben darauf an, mit welcher Platzierung die Mannschaften in der WM zufrieden sind.

Überhaupt: Spanien wird im Viertelfinale, wenn sie morgen die Portugiesen verärgern, entweder gegen Paraguay oder Japan spielen. Das dürfte dann auch nicht mehr als ein Auslauf- und Probetraining für das Halbfinale werden.

Ich schätze, ich werde dann doch mal Rasen sähen, damit ich dem Gras beim Wachsen zuschauen kann.
29.6.10 10:21


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